Tencent verstärkt die Bemühungen um generative Künstliche Intelligenz und hat heute eine Vorschauversion seines Modells Hy Image 3.5 freigegeben. Die Software für Text-zu-Bild- sowie Bild-zu-Bild-Erstellung wird schrittweise in konzerneigene Angebote integriert, darunter der Chatbot Yuanbao sowie Werkzeuge zur Videobearbeitung und Gestaltung.
Nach Unternehmensangaben erzielte das Modell in internen Tests mit Hunderten Designern eine um rund 30 Prozent höhere Bewertung als die Vorgängerversion. Unabhängige Vergleichsdaten liegen hierfür bislang nicht vor.
Für die Weiterentwicklung der Hunyuan-Modellfamilie greift der chinesische Technologiekonzern auf Branchenexpertise zurück. Laut Bloomberg stehen hinter den Fortschritten unter anderem zwei frühere Forscher von OpenAI: Chef-KI-Wissenschaftler Yao Shunyu sowie Tian Yonglong, der seit Juli die Entwicklung multimodaler Bild- und Sprachmodelle im Hunyuan-Team leitet.
Tencent stellt das System intern auf eine Stufe mit Modellen wie Seedream 5.0 Pro von ByteDance und sieht sich leicht vor Googles Nano Banana Pro sowie Qwen-Image-3.0 Pro von Alibaba.
WeChat-Ökosystem im Fokus der Investoren
Die Ankündigung stützt die Stimmung der Anleger. Der Kurs der Tencent-Aktie legt heute um 3,4 Prozent auf 50,23 Euro zu. Am Markt wächst parallel das Interesse an der Frage, wie der Konzern KI-Werkzeuge im Kerngeschäft monetarisieren kann. Das Kommunikationsnetzwerk WeChat zählt knapp 1,4 Milliarden Nutzer und bildet das Herzstück des Softwarekonzerns.
Investoren ziehen vermehrt Parallelen zu internationalen Wettbewerbern wie Meta, dessen kürzlich veröffentlichter KI-Assistent Muse rasch hohe Downloadzahlen verzeichnete. Gary Tan von Allspring Global Investments wies laut Bloomberg darauf hin, dass Marktbeobachter das Potenzial des WeChat-Netzwerks vor diesem Hintergrund neu abwägen.
Allerdings unterscheidet sich die Ausgangslage: Während neu gestartete US-Dienste als reine KI-Anwendungen konzipiert sind, fungiert WeChat primär als soziale Plattform, in die solche Werkzeuge nachträglich eingebunden werden.
Partnerschaft für Cloud-Dienste in Südostasien
Neben der Modellentwicklung forciert Tencent den internationalen Vertrieb seiner Technologie. Die Sparte Tencent Cloud vereinbarte heute eine Zusammenarbeit mit dem malaysischen Fintech-Unternehmen Boost. Die Vereinbarung zielt auf die digitale Transformation in Malaysia und Indonesien ab.
Vorgesehen ist die Bereitstellung von Cloud-Infrastruktur sowie der Einsatz von Tencents Plattformtechnologie, mit der Boost verschiedene Finanzdienstleistungen in einer einzigen Anwendung bündeln will. Zudem planen beide Seiten die Entwicklung gemeinsamer KI-Produkte.
Im übergeordneten Chartbild bleibt die Erholung gefordert. Trotz des jüngsten Zuwachses liegt die Notierung mit einem Abstand von minus 8,8 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 55,09 Euro. Neue fundamentale Impulse zeichnen sich für den Herbst ab: Die Vorlage der Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 ist für den 18. November angekündigt.
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