Telia liefert das stärkste Servicewachstum seit vier Jahren – und die Aktie schließt trotzdem im Minus. Dieser Widerspruch zeigt, wie genau der Markt inzwischen zwischen operativer Substanz und Bilanz-Details unterscheidet.
Im zweiten Quartal 2026 kletterte der Umsatz auf 20,7 Milliarden schwedische Kronen, das Serviceerlöswachstum lag bei 2,8 Prozent auf like-for-like-Basis und damit über den Erwartungen der Analysten von 2,1 Prozent. Der Nettogewinn stieg auf 2,42 Milliarden Kronen, der Gewinn je Aktie auf 0,57 Kronen – beides über Konsens. Besonders der freie Cashflow von 2,2 Milliarden Kronen übertraf die Prognosen deutlich, die im Schnitt nur 1,26 Milliarden Kronen erwartet hatten.
Norwegische Steuerfrage belastet die Bilanz
Trotz der starken operativen Zahlen verfehlte das ausgewiesene EBITDA von knapp 8,0 Milliarden Kronen den Konsens leicht. Grund ist eine Rückstellung im Zusammenhang mit einem norwegischen Mehrwertsteuerfall: Nachdem das oberste norwegische Verwaltungsgericht eine weitere Berufung Telias abgelehnt hatte, erhöhte der Konzern die Gesamtrückstellung auf 420 Millionen Kronen und buchte eine damit verbundene Kaution aus. Das bescherte dem Quartal zusätzliche operative Kosten von 260 Millionen Kronen – ein einmaliger Effekt, der die bereinigten Kennzahlen nicht schmälerte, aber die GAAP-Zahlen belastete.
Operativ lief es in Schweden, Norwegen und den baltischen Märkten rund. In Schweden trägt die Marke Halebop nicht mehr zum Portfolio bei, in Finnland werden Cloud- und Kapazitätsdienste inklusive rund 250 Mitarbeitern an einen Partner übertragen. Norwegen befindet sich weiterhin in der Turnaround-Phase, das Mobilfunkgeschäft stabilisiert sich.
Ausblick bleibt unverändert
Telia bestätigte die Jahresprognose: Serviceumsatzwachstum von rund 2 Prozent, EBITDA-Wachstum von rund 3 Prozent sowie ein freier Cashflow von etwa 9 Milliarden Kronen. Auf rollierender Zwölf-Monats-Basis liegt der Cashflow mit 9,39 Milliarden Kronen bereits über diesem Ziel. Für das dritte Quartal erwartet der Vorstand ein schwächeres EBITDA-Wachstum, im vierten Quartal soll es wieder anziehen – bedingt durch die zeitliche Verteilung von Kundenprojekten.
Parallel arbeitet Telia an den finalen Vereinbarungen zum Verkauf des lettischen Geschäfts, für das im Juli 2025 eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet wurde. Ein Abschluss würde den Konzern noch stärker auf sein Kerngeschäft in den verbleibenden nordisch-baltischen Märkten fokussieren.
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