Moody’s hat das langfristige Emittentenrating von Telecom Italia am heutigen Samstag auf den Prüfstand gestellt. Die Ratingagentur setzte die Bonitätsnote Ba1 auf „Review for Upgrade“ – ein Schritt, der eine mögliche weitere Anhebung der Kreditwürdigkeit vorbereitet. Auslöser ist die einstimmige Zustimmung des TIM-Vorstands zur Übernahmeofferte von Poste Italiane vor gut drei Wochen.
Übernahme als Hebel für die Bonität
Der Vorstand hatte das Angebot des italienischen Post- und Logistikkonzerns am 18. Juli als finanziell fair und strategisch sinnvoll bewertet. Poste Italiane bietet je TIM-Aktie eine Barkomponente von 1,67 Euro sowie 0,218 neu ausgegebene Poste-Aktien. Die Annahmefrist für das von der Aufsichtsbehörde Consob gebilligte Angebot läuft noch bis zum 11. September, insgesamt 40 Handelstage. Für Moody’s ist die Übernahme durch einen staatsnahen, deutlich bonitätsstärkeren Konzern ein potenzieller Werttreiber für das TIM-Rating – daher die Überprüfung mit positiver Tendenz.
Die aktuelle Einstufung ist bereits das Ergebnis eines längeren Aufwärtstrends. Bereits im Mai hatte Moody’s das Rating von Ba2 auf Ba1 angehoben und dabei den nachhaltigen Schuldenabbau des Konzerns sowie den erwarteten positiven freien Cashflow für die Jahre 2026 bis 2028 als Begründung angeführt. Die Nettoverschuldung war nach dem Verkauf des Festnetzgeschäfts NetCo an den Finanzinvestor KKR im Jahr 2024 um rund 15 Milliarden Euro gesunken. Ende März 2026 lag der Verschuldungsgrad bereits unter dem Zweifachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.
Operatives Geschäft liefert solide Basis
Untermauert wird die verbesserte Bonitätsstory durch die Geschäftszahlen der jüngsten Zeit. Vor rund einer Woche legte Telecom Italia Zahlen für das zweite Quartal vor, die die Erwartungen der Analysten trafen: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nach Leasingkosten erreichte 998 Millionen Euro, der Konsens hatte 995 Millionen Euro veranschlagt. Für das erste Halbjahr insgesamt stiegen die Konzernumsätze um 2 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro, bereinigt um das Mobilfunk-Wiederverkaufsgeschäft sogar um 3,3 Prozent. Das bereinigte EBITDA nach Leasing kletterte um 1,2 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, ohne MVNO-Effekte um 6,3 Prozent.
Im zweiten Quartal kehrte der Konzern mit einem Nettogewinn von 88 Millionen Euro in die schwarzen Zahlen zurück. Das Management bestätigte die Prognose für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 – ein Signal, dass der laufende Übernahmeprozess das operative Geschäft bislang nicht belastet.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt wenig aufgeregt. Am Freitag schloss das Papier bei 7,59 Euro, ein minimales Minus von 0,17 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 3,29 Prozent zu Buche, während der Kurs auf Monatssicht um 5,84 Prozent nachgegeben hat. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 16,27 Milliarden Euro. Die verhaltene Reaktion auf die Rating-Nachricht deutet darauf hin, dass Anleger den Ausgang des Übernahmeverfahrens weiterhin als entscheidenden Kurstreiber betrachten – eine mögliche Bonitätsverbesserung durch Moody’s wäre in diesem Kontext eher eine Bestätigung als eine Überraschung.
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