Ausgangslage: Erste Zahlen seit der Offerte
Telecom Italia hat am 29. Juli die ersten Quartalszahlen seit der Genehmigung des Übernahmeangebots von Poste Italiane vorgelegt – und sie fielen besser aus als in den Vorquartalen. Das EBITDA nach Leasing erreichte im zweiten Quartal 998 Millionen Euro und lag damit über dem Analystenkonsens von 995 Millionen Euro.
Für das erste Halbjahr stiegen die Konzernumsätze um 2 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro, das EBITDA nach Leasing legte um 1,2 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. Bereinigt um das MVNO-Geschäft fiel das Wachstum mit 6,3 Prozent deutlich kräftiger aus.
Unterm Strich kehrte der Konzern im zweiten Quartal mit 88 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück, nach einem Verlust von 8 Millionen Euro im Vorjahresquartal und einem Fehlbetrag von 292 Millionen Euro im ersten Quartal 2026. Das Management bestätigte zugleich die Prognose für 2026 und 2027.
Diese Zahlen zählen jetzt aus einem einfachen Grund: Das Übernahmeangebot von Poste Italiane läuft, die Annahmefrist endet am 11. September. Anleger müssen in den kommenden Wochen entscheiden, ob sie das Angebot – bestehend aus 1,67 Euro je Aktie plus 0,218 neuen Poste-Aktien – annehmen oder auf eine höhere Bewertung des eigenständigen Geschäfts setzen.
Die Offerte selbst ist seit gut drei Wochen bekannt, seither hat der Kurs rund 2,1 Prozent verloren. Die frischen Geschäftszahlen liefern nun erstmals eine Antwort auf die Frage, ob sich das operative Fundament in die richtige Richtung entwickelt.
Die entscheidende Frage: Trägt die operative Erholung?
Der zentrale Faktor für die kommenden Wochen ist, ob sich das EBITDA-Wachstum und die Rückkehr in die Gewinnzone als tragfähiger Trend erweisen oder als einmaliger Ausschlag. Bestätigt sich die operative Erholung in den kommenden Berichten, gewinnt das Argument an Gewicht, dass der eigenständige Wert des Konzerns höher liegt als die Offerte unterstellt.
Bricht die Dynamik dagegen wieder ein – wie es der Quartalsverlust von 292 Millionen Euro im ersten Jahresviertel gezeigt hat –, spricht mehr dafür, das Angebot als attraktive Absicherung zu betrachten.
Ein Signal in diese Richtung liefern jüngste Insider-Transaktionen. Michele Donati, Head of Enterprise Private Market bei TIM, verkaufte am 31. Juli mehrere Aktienpakete zu Kursen knapp über 7,30 Euro. Bereits am 29. Juli hatte der Head of Channel Management Consumer 2.000 Aktien zu 7,42 Euro veräußert.
Beide Verkäufe erfolgten zu Kursen unterhalb dessen, was mancher Analyst dem Titel zutraut – ein Hinweis darauf, dass zumindest Teile des Managements kurzfristig lieber Kasse machen, statt auf eine höhere Bewertung im Zuge der Offerte zu warten.
Bullisches Szenario
Setzt sich die Verbesserung fort, sprechen mehrere Faktoren für eine höhere Bewertung des Konzerns über die Offerte hinaus. Das um MVNO-Effekte bereinigte EBITDA-Wachstum von 6,3 Prozent im ersten Halbjahr zeigt, dass das Kerngeschäft an Fahrt gewinnt.
Bleibt die für 2026 und 2027 bestätigte Prognose intakt und wiederholt sich die Rückkehr zum Nettogewinn auch im dritten Quartal, dürfte der Druck auf Poste Italiane steigen, die Konditionen nachzubessern oder zumindest die Marktwahrnehmung des Zielunternehmens zu verändern. In diesem Fall könnten Anleger, die das Angebot nicht annehmen, von einer Neubewertung profitieren.
Bärisches Szenario
Dagegen steht die Volatilität der Ergebnisse: Ein Quartalsverlust von 292 Millionen Euro im ersten Jahresviertel, gefolgt von einem moderaten Gewinn im zweiten, ergibt noch keinen gesicherten Trend.
Die Verkäufe von TIM-Führungskräften kurz nach den Zahlen deuten darauf hin, dass zumindest kurzfristig keine große Kursfantasie über die aktuellen Niveaus hinaus erwartet wird. Hinzu kommt die skeptischere Einschätzung von Kepler Cheuvreux, die den Titel bereits Ende Juni von Kaufen auf Halten zurückgestuft hatte, mit einem Kursziel von 8,00 Euro – ein Datenpunkt, der mittlerweile mehrere Wochen zurückliegt und nicht mehr als aktuelle Meinung gelten kann, aber die damalige Vorsicht dokumentiert.
Der Kurs selbst hat in den vergangenen 30 Tagen um 6,52 Prozent nachgegeben, bei einer Marktkapitalisierung von aktuell 16,20 Milliarden Euro spiegelt das eine spürbare Skepsis des Marktes wider, trotz der besseren Quartalszahlen.
Ausblick
Solange TIM sein EBITDA-Wachstum fortsetzt und die Guidance für 2026 und 2027 bestätigt bleibt, behält das Argument für eine Bewertung oberhalb der Offerte Substanz – auch wenn die jüngsten Insider-Verkäufe zur Vorsicht mahnen. Kippt die operative Erholung dagegen erneut, etwa durch einen Rückfall in die Verlustzone, dürfte die Offerte für viele Aktionäre die pragmatischere Wahl bleiben.
Der nächste konkrete Prüfstein ist das Ende der Annahmefrist am 11. September – bis dahin dürfte jede weitere Wortmeldung zur operativen Entwicklung des Konzerns die Entscheidung vieler Anleger mitprägen.
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