Telecom Italia verschärft den Konflikt mit seinem früheren Netzpartner FiberCop. Konzernchef Pietro Labriola beklagt eine Verschlechterung der Servicequalität, die FiberCop für den Konzern liefert, und macht dafür negative Auswirkungen auf die Kundenbasis von TIM verantwortlich. Der Streit dreht sich um die technische Infrastruktur, über die TIM seine Festnetz- und Breitbandkunden versorgt – ein für den Konzern zentraler Baustein seines Geschäfts.
Gericht weist Eilantrag zurück
Das Mailänder Gericht hat einen Eilantrag von Telecom Italia gegen die neue Preisliste von FiberCop abgelehnt. Der Konzern hatte versucht, die Konditionen im Schnellverfahren zu kippen, blieb damit aber ohne Erfolg. TIM lässt die Sache jedoch nicht auf sich beruhen: Nach der gerichtlichen Niederlage bereitet der Konzern nun eine Berufung vor. Damit dürfte sich der juristische Konflikt zwischen den beiden Unternehmen weiter hinziehen, statt zeitnah eine Lösung zu finden.
FiberCop weist die Vorwürfe seinerseits zurück. Das Unternehmen verweist zur Verteidigung auf seine operative Leistungsfähigkeit und nennt konkrete Zahlen: 13,7 Millionen aktive Leitungen betreibe man, unterstützt von 13.000 Technikern im Feld. Aus Sicht von FiberCop widerspricht diese Größenordnung der von TIM behaupteten Qualitätsverschlechterung. Für Anleger bedeutet der offene Schlagabtausch zunächst vor allem eines: Unsicherheit über die künftigen Konditionen, zu denen TIM seine Netzinfrastruktur nutzen kann – ein Faktor mit direkter Relevanz für Kosten und Kundenzufriedenheit im Kerngeschäft.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse zeigt sich der Streit bislang nur gedämpft in der Kursentwicklung. Die Aktie von Telecom Italia notiert aktuell bei 7,32 Euro und gibt damit am heutigen Freitag um 0,12 Prozent nach. Auf Monatssicht hat das Papier allerdings deutlich an Wert verloren: Der Rückgang von 10,11 Prozent binnen 30 Tagen zeigt, dass der Titel zuletzt spürbar unter Druck stand. Mit einer Marktkapitalisierung von 15,61 Milliarden Euro bleibt Telecom Italia dennoch einer der größeren Werte im italienischen Telekommunikationssektor.
Für die kommenden Wochen dürfte der Ausgang des Berufungsverfahrens gegen FiberCop im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Ein Erfolg vor Gericht könnte TIM mehr Verhandlungsspielraum bei den Netzkonditionen verschaffen und damit potenziell die Kostenbasis im Festnetzgeschäft entlasten. Bleibt der Konzern hingegen erneut erfolglos, dürfte sich die Abhängigkeit von den Konditionen des Netzpartners weiter als belastender Faktor für das operative Geschäft erweisen. Labriola signalisiert mit dem angekündigten Rechtsmittel jedenfalls, dass der Konzern den Konflikt nicht auf sich beruhen lassen will.
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