Lange mussten sich Aktionäre des Softwarehauses gedulden, nun gibt es handfeste Signale für eine Besserung. Im zweiten Quartal ging der Erlös währungsbereinigt zwar um 1,4 Prozent auf 182,7 Millionen Euro zurück, doch genau jene Kennziffern, die künftige Entwicklungen vorwegnehmen, drehten ins Positive. Am Aktienmarkt kam das gut an. Konzernlenker Oliver Steil sieht sein Haus an einem Wendepunkt angekommen und die eingeschlagene Strategie langsam Wirkung entfalten. An der Jahresplanung hält das Unternehmen unverändert fest.
Großkundengeschäft mit frischem Schwung
Den Kern der Erholung bildet die Sparte rund um die sogenannte digitale Mitarbeitererfahrung, im Fachjargon DEX genannt. Dort ist die Kehrtwende gelungen. So wenige Kunden wie noch nie seit der Eingliederung des zugekauften Anbieters 1E kehrten dem Unternehmen den Rücken, während wichtige Firmenkunden ihre Kontrakte gleich über mehrere Jahre festschrieben. Im wichtigsten Abschnitt des Firmenkundengeschäfts summierte sich das Plus währungsbereinigt auf 11 Prozent. Parallel dazu legt die Eigenentwicklung TeamViewer ONE, die mehrere Werkzeuge zur selbsttätigen Störungsbeseitigung vereint, rasanter zu als sämtliche Vorgängerprodukte des Anbieters.
Künstliche Intelligenz im Höhenflug
Für Zuversicht sorgt auch der sprunghaft gewachsene Einsatz von KI-Werkzeugen. Bis zum 25. Juli griffen etwa 49.000 Kunden auf mindestens eine dieser Funktionen zurück, fast doppelt so viele wie noch drei Monate zuvor. In Summe wurden mehr als 2,8 Millionen Support-Vorgänge automatisch verdichtet. Mit jeder dieser Sitzungen wächst der interne Erfahrungsschatz des Unternehmens, was einen schwer kopierbaren Datenvorsprung schafft. Für weiteren Rückenwind soll die Zusammenarbeit mit ServiceNow sorgen, über die TeamViewers Anwendungen einem großen internationalen Kundenkreis zugänglich gemacht werden.
TeamViewer Aktie Chart
Ertragskraft übertrifft die Prognosen
Bei der Rentabilität bewies der Konzern trotz der zeitweiligen Belastungen Stärke. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kam auf 78,9 Millionen Euro, was einer Marge von 43,2 Prozent entspricht. Der Marktkonsens von Visible Alpha hatte hier nur gut 41 Prozent auf dem Zettel. Netto blieben 30,1 Millionen Euro hängen, ungefähr ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Je Anteilsschein entsprach das einem Gewinn von 0,19 Euro. Gleichzeitig baute das Unternehmen seine Schulden weiter ab.
Für das Gesamtjahr peilt TeamViewer ein währungsbereinigtes Umsatzplus zwischen 0 und 3 Prozent sowie eine bereinigte EBITDA-Marge um die 43 Prozent an. Anleger sollten im Hinterkopf behalten, dass sich die Besserung bislang vor allem in den vorlaufenden Kennzahlen zeigt, während der Umsatz als nachlaufende Größe die alten Bremsklötze noch abbildet. Ob die erhoffte Beschleunigung im zweiten Halbjahr wirklich kommt, bleibt abzuwarten. Für Anleger mit Sinn für eine Comeback-Geschichte liefern die Zahlen dennoch überzeugende Argumente.
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