Die Vorbestellungen für Grand Theft Auto VI laufen so stark wie nie. Trotzdem verlor die Take-Two-Aktie am Freitag 1,11 Prozent und schloss bei 213,00 Euro. Auf Wochensicht steht sogar ein Minus von 4,57 Prozent zu Buche — ausgerechnet dann, wenn die Wall Street beim kommenden Blockbuster-Titel immer optimistischer wird.
Sony-Konsolen dominieren die Vorbestellungen
Die Analysten von B. Riley haben zwischen dem 25. Juni und dem 8. Juli täglich die Vorbestellungszahlen auf sechs großen Plattformen verfolgt. Dazu zählten der PlayStation Store, Xbox Live, Amazon, Best Buy, GameStop und Walmart. Das Ergebnis: GTA VI war im Juni auf allen getrackten Plattformen der meistverkaufte Artikel. Auch in der ersten Julihälfte hielt sich das Spiel unter den Top-Produkten.
Die Nachfrage kommt vor allem von PlayStation-Nutzern. B. Riley erklärt das mit der aktuellen Konsolen-Generation: Sonys PS5 verkauft sich derzeit mehr als dreimal so oft wie Microsofts Xbox Series X/S. Auffällig ist zudem die Version-Wahl der Käufer. Die Ultimate Edition für 99,99 Dollar verkauft sich sowohl im PlayStation Store als auch auf Xbox Live besser als die Standard-Version für 79,99 Dollar. Kunden greifen also lieber zum teureren Paket.
Prognose bleibt trotz starker Daten unverändert
An seiner Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2027 rüttelt B. Riley trotz der Datenlage nicht. Die Analysten rechnen weiterhin mit 2,5 Milliarden Dollar Netto-Buchungen für das komplette Spiel. Die Basis dafür: 37 Millionen verkaufte Einheiten zu einem Durchschnittspreis von 68 Dollar, verteilt über vier Monate.
Zum Vergleich zieht B. Riley den Vorgänger heran. GTA V verkaufte sich nach dem Start im September 2013 über acht Monate hinweg mehr als 33 Millionen Mal. Take-Twos aktuelle Annahmen unterstellen also ein deutlich schnelleres Tempo als beim bisherigen Rekordhalter der Franchise.
Am 7. August meldet Take-Two die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027. B. Riley erwartet, dass das Management dort erstmals offiziell zu den Vorbestellungen Stellung nimmt. Der Konsens der Analysten liegt bei einem Gewinn je Aktie von 0,34 Dollar und Netto-Buchungen von 1,35 Milliarden Dollar — beides innerhalb der eigenen Prognose-Spanne des Managements.
Bewertungsdebatte nach der Rallye
Nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Wochen stellt sich für einige Marktbeobachter die Bewertungsfrage neu. Ein Modell zur fairen Wertermittlung kam kürzlich auf einen Zielwert von 212,34 Dollar, während die Aktie zu diesem Zeitpunkt bei 243,89 Dollar notierte. Das entspräche einer Überbewertung von rund 14,9 Prozent, bei einem GF-Score von 73 von 100 Punkten — ein solides, aber kein herausragendes Ergebnis im Branchenvergleich.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, den manche Investoren kritisch sehen: Führungskräfte haben in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 135,4 Millionen Dollar verkauft. Trotzdem bleibt die Stimmung unter den Analysten mehrheitlich positiv. B. Riley selbst hält an seiner Kaufempfehlung fest und reiht sich damit in eine ganze Reihe von Häusern ein, die ihre Kursziele nach der Preisankündigung Ende Juni angehoben haben.
Charttechnik zeigt intakten Aufwärtstrend
Am 7. Juli erreichte die Aktie mit 231,40 Euro ihr 52-Wochen-Hoch. Von dort aus ging es bis Freitag um 7,95 Prozent nach unten. Trotz des Rücksetzers steht auf Monatssicht ein Plus von 16,78 Prozent — ein Zeichen dafür, wie kräftig die Rallye vor der Veröffentlichung der Vorbestelldaten ausfiel.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 200,66 Euro und damit deutlich unter dem aktuellen Kurs. Der mittelfristige Aufwärtstrend bleibt also intakt. Der RSI von 54,3 zeigt zudem: Die Aktie ist nach dem Rücksetzer weder überkauft noch überverkauft.
Bis zum Quartalsbericht am 7. August bleiben die Vorbestellzahlen die einzige verfügbare Messlatte für die Nachfrage. Erst danach wird sich zeigen, wie das Management selbst die Dynamik einschätzt — und ob GTA VI zum Start am 19. November die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllen kann.
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