T1 Energy bereitet die Diversifizierung seines Portfolios über die reine Solarproduktion hinaus vor. Durch eine behördliche Entscheidung in Norwegen am vergangenen Donnerstag kann das Unternehmen künftig auch im Bereich der Rechenzentren agieren. Ein zuständiger Ausschuss der Stadtverwaltung von Mo i Rana hat eine Umwidmung für Teile des „Giga Arctic“-Campus genehmigt.
Expansion in den Bereich Rechenzentren
Wie aus Berichten von GlobeNewswire hervorgeht, erlaubt die neue Genehmigung die Nutzung einer Fläche von rund 15.000 Quadratmetern für industrielle Zwecke oder den Betrieb von Datenzentren. T1 Energy plant, dort ein Rechenzentrum mit einer Kapazität von 50 Megawatt zu errichten, das bereits im Jahr 2027 den Betrieb aufnehmen könnte.
Langfristig besteht das Potenzial für eine deutliche Erweiterung der Kapazitäten. Das Unternehmen gab bekannt, dass es in der Warteschlange für Netzkapazitäten bereits eine Position für insgesamt 396 Megawatt hält.
Dieser Schritt markiert eine strategische Erweiterung für das bisher stark auf die Photovoltaik-Lieferkette fokussierte Unternehmen. Die Entscheidung der lokalen Behörden löste Mitte der Woche eine Kursrallye aus, da Anleger die zusätzliche Nutzungsmöglichkeit des norwegischen Standorts positiv bewerteten.
Fokus auf vertikale Integration in den USA
Parallel zu den Entwicklungen in Europa treibt T1 Energy seine Projekte in den Vereinigten Staaten voran. In der Anlage „G2 Austin“ in Texas sollen im ersten Quartal 2027 die ersten Solarzellen produziert werden.
Für die erste Phase dieses Vorhabens veranschlagt das Management Investitionskosten in Höhe von 510 Millionen US-Dollar. In dieser Kalkulation ist laut Unternehmensangaben eine Reserve von 20 Prozent enthalten, um mögliche Preissteigerungen bei Arbeitskräften und Materialien im texanischen Bausektor abzufangen.
Die technologische Basis für die künftige Produktion wurde bereits Ende Juli durch den Erwerb von Patenten für die sogenannte TOPCon-Technologie gestärkt. Für den Kaufpreis von 135 Millionen US-Dollar übernahm T1 Energy entsprechende Rechte von Evervolt Green Energy Holding.
Ein wesentlicher Teil der Produktion ist bereits verplant: Am 3. August meldete das Unternehmen den Abschluss eines Liefervertrags mit der Clearway Energy Group über 641 Megawatt an Solarmodulen.
Finanzielle Basis und Marktstimmung
Die Finanzierung der anstehenden Infrastrukturprojekte wird unter anderem durch eine Ende Juli angekündigte Privatplatzierung von Wandelanleihen im Volumen von 120 Millionen US-Dollar gestützt. Diese Mittel dienen dem Konzern als Brücke zu einer umfassenderen Finanzierungslösung.
In den vor gut drei Wochen vorgelegten Quartalszahlen wies das Unternehmen für das zweite Quartal einen Nettoumsatz von 250,1 Millionen US-Dollar aus. Während die Modulproduktion am Standort Dallas mit 935 Megawatt stabil blieb, verzeichnete T1 Energy einen Nettoverlust aus dem fortgeführten Geschäft von 36,9 Millionen US-Dollar. Das bereinigte EBITDA lag bei 10,7 Millionen US-Dollar.
Analysten bewerten die Aussichten des Industriegüterwerts überwiegend optimistisch. Das Analysehaus Roth MKM bekräftigte am 13. August seine Kaufempfehlung für die Aktie.
Am vergangenen Freitag verzeichnete das Papier im deutschen Handel einen Rückgang von 3,7 %, was Marktbeobachter als Gewinnmitnahmen nach der vorangegangenen Rallye einordneten. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Kursplus von 8,4 % zu Buche. Damit notiert der Wert aktuell 40 % über seinem 52-Wochen-Tief.
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