Ein Softwarehaus ohne eigene Chipfabrik mischt gerade bei den größten Namen der Halbleiterbranche mit. Auf der DAC Chips to Systems Conference in diesen Tagen präsentiert Synopsys binnen 48 Stunden gleich drei Kooperationen — mit Intel Foundry, mit Microsoft und AMD sowie mit Nvidia. Der gemeinsame Nenner: künstliche Intelligenz soll das Design von Chips nicht mehr nur unterstützen, sondern eigenständig vorantreiben.
Intel setzt auf zertifizierte EDA-Flows
Den Anfang macht die vertiefte Zusammenarbeit mit Intel Foundry. Synopsys hat seine KI-gestützten Design-Werkzeuge für den kommenden Intel-14A-Prozess zertifiziert und erweitert damit die bestehende Unterstützung für die Intel-18A-Generation. Im Kern geht es um sogenanntes System-Aware Co-Design: Statt Stromversorgung, Wärmeentwicklung und elektromagnetische Effekte isoliert zu betrachten, verzahnt die neue Softwaregeneration diese Faktoren von Anfang an. Die 3DIC-Compiler-Plattform von Synopsys unterstützt zudem Intels Advanced-Packaging-Technologien EMIB und EMIB-T für Multi-Die-Designs — jene Chip-Architekturen, bei denen mehrere Silizium-Bausteine zu einem System verschmelzen.
Microsoft, AMD und Nvidia treiben autonome Workflows voran
Noch weiter geht die zweite Ankündigung: Zusammen mit Microsoft stellt Synopsys autonome KI-Workflows vor, die auf der Cloud-Plattform Microsoft Discovery laufen und bereits von AMD getestet werden. Ein vollautomatischer Debug-Workflow soll die Zeit für Fehlersuche und Ursachenanalyse um bis zu 40 Prozent verkürzen. Ein zweiter Workflow automatisiert die Feinabstimmung bei der Chip-Implementierung über Microsofts Cloud-Infrastruktur Azure.
Parallel dazu zeigte Synopsys tags zuvor gemeinsam mit Nvidia einen autonomen Verifikations-Agenten, der komplette Chip-Prüfzyklen selbstständig orchestriert. Laut Unternehmensangaben soll dieser Agent die Zeit bis zur validierten Chip-Beschreibung um das bis zu 50-Fache verkürzen, bei gleichzeitig rund 20 Prozent mehr Testabdeckung. Hinzu kommt ein erster autonomer Workflow für thermisches Management, der Aufbau und Auswertung von Kühlungssimulationen eigenständig übernimmt. Über 20 GPU-beschleunigte Synopsys-Produkte laufen inzwischen auf Nvidias Rechenplattform, darunter die SPICE-Simulationssoftware PrimeSim mit einer 18-fachen Geschwindigkeitssteigerung.
Die drei Ankündigungen zeigen ein Muster: Synopsys positioniert sich nicht mehr nur als Werkzeuglieferant für Chipdesigner, sondern als Infrastrukturpartner für die gesamte KI-Wertschöpfungskette — von der Foundry-Ebene bei Intel über die Cloud-Workflows mit Microsoft und AMD bis zur Rechenleistung von Nvidia. Für Kunden aus der Halbleiterindustrie dürfte vor allem interessant sein, wie schnell sich die versprochenen Effizienzgewinne bei Debug-Zeiten und Verifikationszyklen in der Praxis bestätigen. Erste Evaluierungsergebnisse mit AMD sollen dafür in den kommenden Monaten vorliegen.
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