Der Schweizer Rückversicherer forciert die Monetarisierung seiner Risikodaten. Damit setzt der Konzern verstärkt auf die digitale Auswertung komplexer Katastrophenrisiken im Erstversicherungsmarkt.
CatNet-Daten wandern in Erstversicherer-Software
Der Softwarehersteller SAS bindet die CatNet-Daten von Swiss Re in seinen Insurance Life Cycle Accelerator ein. Das gemeinsame Angebot richtet sich an Erstversicherer und zielt auf die Bereiche Underwriting, Tarifierung sowie Portfolioentscheidungen ab.
Nach Angaben von Swiss Re Institute machten sekundäre Gefahren im Jahr 2025 bereits 99,9 Prozent der versicherten Katastrophenschäden in den USA aus. Genau solche Ereignisse wie Hagel oder Waldbrände erfassen die Datenmodelle.
Durch die automatisierte Zusammenführung der Schadendaten mit den Analysewerkzeugen stellen die Partner spürbare Produktivitätsgewinne in Aussicht. Die Unternehmen erwarten eine um 95 Prozent höhere Effizienz bei Underwriting-Entscheidungen sowie eine um 50 Prozent schnellere Risikomodellierung. Zudem sollen Portfoliomanager bei unveränderter Personalstärke bis zu 40 Prozent mehr Risiken prüfen können.
Zweite Integration über Plattform EigenRisk
Parallel dazu bindet auch das Analyseunternehmen EigenRisk die Schweizer Gefahrendaten in seine Plattform EigenPrism ein. Die Plattform vernetzt mehr als 40 Drittanbieter von Modellen und Datensätzen für das gewerbliche Risikomanagement.
CatNet deckt weltweit Gefahren wie Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis, Stürme und Sturmfluten ab. Neuere Erweiterungen erfassen zudem Waldbrandgefahren und enthalten eine aktualisierte Ebene für Hagelrisiken. Für Swiss Re bedeutet die Bereitstellung über etablierte Branchenplattformen einen direkten Zugang zu gewerblichen Risikoträgern, die präzisere Standortanalysen für ihre Policen benötigen.
Solche Partnerschaften gewinnen an strategischer Bedeutung. Da kleinere und mittlere Naturereignisse weltweit zunehmen, müssen Versicherer ihre Zeichnungspolitik laufend anpassen. Die Bereitstellung eigener Bewertungsmodelle stärkt die Rolle des Rückversicherers als technischer Standardsetzer in der Schadenprävention und Risikobepreisung.
Aktie gibt im schwachen Marktumfeld nach
Am Aktienmarkt spiegelte sich der operative Fortschritt gestern nicht wider. Im europäischen Branchenumfeld schloss die Swiss-Re-Aktie am Mittwoch mit einem Minus von 2,6 Prozent bei 145,55 Euro. Damit rutschte der Titel knapp unter seinen 50-Tage-Durchschnitt von 147,47 Euro.
Die voranschreitende Verzahnung von Risikomodellen mit externen Vertriebs- und Analysetools zeigt jedoch die langfristige Richtung: Der Zürcher Konzern will den steigenden Schadenaufwand durch sekundäre Naturgefahren nicht nur rückversichern, sondern bereits bei der Erstprüfung der Policen digital mitgestalten.
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