Ein neues US-Handelsverfahren wegen mutmaßlicher Patentverletzungen bei Speicherchips trifft Super Micro Computer in einer ohnehin fragilen Phase. Die Aktie des KI-Server-Herstellers ist seit ihrem Hoch im Juli 2025 um rund 60 Prozent eingebrochen. Am Freitag schloss das Papier bei 24,18 Dollar, ein Minus von 2,03 Prozent — und nur einen Dollar über der nächsten wichtigen Unterstützungszone.
Netlist zieht Supermicro in den Chipstreit
Die US-Handelsbehörde USITC hat eine Untersuchung gegen Samsung Electronics eingeleitet. Der Vorwurf: Speicherchips von Samsung sollen Patente des Speicherherstellers Netlist verletzen. Betroffen sind nicht nur Samsung, sondern auch die Käufer der Chips — darunter Google, Nvidia, Broadcom und eben Super Micro Computer.
Der Fall beginnt offiziell am 16. Juli 2026. Netlist fordert von der Behörde ein Importverbot für die betroffenen Chips und Produkte. Zusätzlich soll den Unternehmen der Verkauf in den USA untersagt werden.
Für Supermicro ist die Rolle in diesem Verfahren indirekt: Das Unternehmen taucht als Käufer und Nutzer der umstrittenen Samsung-Speicherchips auf, nicht als Hersteller. Trotzdem hat der Streit Substanz. Ein Gericht in Texas hatte Samsung bereits 2024 zu einer Zahlung von 118 Millionen Dollar an Netlist verurteilt, nach einem 303-Millionen-Dollar-Urteil in einem verwandten Fall im Jahr 2023.
Die USITC muss innerhalb von 45 Tagen einen Zieltermin für den Abschluss der Untersuchung festlegen. Jede Anordnung tritt sofort in Kraft und wird nach 60 Tagen endgültig — außer der US-Handelsbeauftragte legt aus politischen Gründen sein Veto ein. Für Supermicro bedeutet das: Sollte die Behörde Importbeschränkungen verhängen, könnte sich die Beschaffung zentraler Bauteile für die KI-Server des Unternehmens verändern.
Ausverkauf bei Hardware-Werten reißt Supermicro mit
Der Patentstreit trifft die Aktie mitten in einem breiten Ausverkauf der Computerhardware-Branche. Bereits am 15. Juli erfasste eine Verkaufswelle den gesamten Sektor. Dell Technologies führte die Verluste an, während auch Hewlett Packard Enterprise, Micron und SanDisk deutlich nachgaben.
Der Druck hielt an. Am Donnerstag brach die Supermicro-Aktie um mehr als 6 Prozent ein — Anleger sorgen sich um Lagerbestände und Wachstumstempo in der KI-Infrastruktur. Tags zuvor war bereits Dell um über 13 Prozent eingebrochen und hatte damit die Stimmung für die gesamte Branche verdorben. Am Freitag verlor Supermicro nach Berichten über den Chip-Streit und wachsende Sorgen vor der nächsten Quartalsbilanz weitere 8 Prozent.
Charttechnik zeigt nach unten
Die technische Lage bleibt angespannt. Der Kurs notiert mit 24,18 Dollar rund 25 Prozent unter dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 33,10 Dollar. Auch der 200-Tage-Durchschnitt bei 32,04 Dollar liegt weit entfernt — ein Zeichen für einen intakten Abwärtstrend auf mittlere und lange Sicht.
Die erste Unterstützungszone liegt zwischen 23 und 24 Dollar. Genau dort wird der Kurs aktuell getestet. Bricht diese Marke, rückt das 52-Wochen-Tief bei 19,48 Dollar in den Blick — nur rund 24 Prozent unter dem aktuellen Niveau.
Analysten sind bei der Bewertung gespalten. Manche Researchhäuser halten die Aktie nach dem Kursrutsch für unterbewertet, das Analysten-Konsensrating bleibt aber vorsichtig bei „Hold“. Citi hat seine Einschätzung zur Aktie zuletzt angepasst, ohne dass sich daraus eine klare Richtung ableiten lässt.
Mehrere Baustellen gleichzeitig
Supermicro kämpft an mehreren Fronten zugleich. Neben dem Netlist-Verfahren steht das Unternehmen weiterhin unter Beobachtung wegen Fragen zu Exportkontrollen — eine unabhängige Prüfung des Verwaltungsrats zu entsprechenden Transaktionen läuft noch. Die Aktie handelt aktuell zum neunfachen erwarteten Gewinn, ein Bewertungsniveau, das die Unsicherheit rund um das Unternehmen widerspiegelt.
Investoren achten nun auf konkrete Signale: Details zur Beschaffung von Bauteilen, zu den Vertragsbedingungen mit Samsung oder zu alternativen Lieferanten. Bestehende Bedenken bei der Schuldendeckung und beim Anteil zahlungsunwirksamer Erträge verschärfen das Risiko, sollte sich der Patentstreit weiter zuspitzen.
Die kommenden Wochen entscheiden, ob die Kombination aus ITC-Verfahren und Branchenausverkauf nur eine vorübergehende Belastung ist. Oder ob sie den Beginn einer grundsätzlichen Neubewertung der Wachstumsgeschichte von Supermicro markiert.
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