Super Micro Computer Aktie: 7-Milliarden-Finanzierung geplant

Supermicro plant Kapitalerhöhung über 7 Milliarden Dollar bei schwachem Aktienkurs und hohem Cash-Verbrauch.

Auf einen Blick:
  • Kapitalbedarf von bis zu 7 Milliarden Dollar
  • Auftragsbestand von 39 Milliarden Dollar ohne Bindung
  • Operativer Cashflow verbrannte 6,6 Milliarden Dollar
  • Aktie fiel 14 Prozent in sieben Tagen

Super Micro Computer kämpft mit einem Problem, das viele KI-Firmen kennen: Die Aufträge sprudeln, doch das Geld für die Produktion fehlt. Die Aktie fiel am Montag um weitere 1,45 Prozent auf 23,83 US-Dollar. Über sieben Handelstage summiert sich das Minus auf fast 14 Prozent.

Der Kurs bleibt damit deutlich unter dem Preis, zu dem Supermicro im Juni neue Aktien platziert hatte. Genau das beunruhigt Investoren. Wer im Juni bei der Kapitalerhöhung eingestiegen ist, sitzt auf spürbaren Verlusten.

Ein Auftragsbuch, das Fragen aufwirft

Supermicro plant eine Kapitalmaßnahme aus Aktien und wandelbaren Wertpapieren im Volumen von bis zu 7 Milliarden Dollar. Das entspricht rund 42 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung des Unternehmens. Eine Summe dieser Größenordnung schreckt Anleger auf – vor allem, wenn der Aktienkurs schon unter dem letzten Platzierungspreis notiert.

Der Grund für den Kapitalbedarf: ein Auftragsbestand von fast 39 Milliarden Dollar für hochentwickelte KI-Server. Das ist mehr als das Doppelte der Marktkapitalisierung. Allerdings sind diese Aufträge nicht bindend. Kunden können sie stornieren oder verschieben, wann sie wollen.

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, warum frisches Kapital dringend nötig ist. Der Umsatz im März-Quartal lag bei 10,2 Milliarden Dollar, die Bruttomarge jedoch nur bei 9,9 Prozent. Der operative Geschäftsbetrieb verbrannte im gleichen Zeitraum 6,6 Milliarden Dollar an Cash, während am Quartalsende nur noch 1,3 Milliarden Dollar in der Kasse lagen.

Die Bilanz zeigt zusätzliche Belastungen. Bankschulden und Wandelanleihen summieren sich auf 8,8 Milliarden Dollar. Die Lagerbestände liegen bei 11,1 Milliarden Dollar – das 8,6-Fache des aktuellen Kassenbestands.

Die Struktur der Juni-Finanzierung verdeutlicht das Verwässerungsrisiko. Das Paket umfasste 45,45 Millionen Stammaktien. Hinzu kommen Vorzugspapiere, die sich 2029 in 113,6 bis 136,4 Millionen Aktien wandeln lassen – ohne die Optionen der Konsortialbanken oder das laufende Aktienverkaufsprogramm am Markt.

Der ganze Chip-Sektor gerät ins Wanken

Supermicros Probleme treffen auf einen Halbleitersektor, der insgesamt schwächelt. Der Philadelphia Semiconductor Index verzeichnete kürzlich seinen größten Wochenverlust seit über einem Jahr und liegt inzwischen gut 20 Prozent unter seinem Rekordhoch vom 22. Juni. Ryan Detrick, Chef-Marktstratege bei Carson Group, beschreibt die Stimmung schlicht als „Chip-Müdigkeit“.

Am Optionsmarkt zeigt sich diese Nervosität deutlich. Die implizite Volatilität von Supermicro bewegt sich im oberen Zehntel ihrer Jahresspanne. Der Put-Call-Skew ist steiler geworden – ein Zeichen dafür, dass mehr Anleger sich gegen fallende Kurse absichern wollen.

Nicht alle Analysten sehen nur Risiken. Citi-Analystin Asiya Merchant hob ihr Kursziel leicht an und verwies auf die solide Marktposition bei KI-Servern sowie verbesserte Margen. Trotzdem bleibt sie vorsichtig: Wettbewerbsdruck, schwankende Margen, Abhängigkeit von wenigen Großkunden und die Aussicht auf weitere verwässernde Kapitalerhöhungen sprechen für Zurückhaltung.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Der aktuelle Kurs liegt fast 61 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 60,71 Dollar, erreicht Ende Juli vergangenen Jahres. Der RSI von 33,5 signalisiert überverkauftes Terrain, ohne dass sich bislang eine klare Trendwende abzeichnet. Immerhin: Die Aktie notiert noch rund 22 Prozent über ihrem März-Tief von 19,48 Dollar.

Für die kommenden Wochen bleibt die Finanzierungsfrage der entscheidende Faktor. Hoher Cash-Verbrauch, eine Schuldenlast von fast 9 Milliarden Dollar und ein Auftragsbuch ohne feste Zusagen bilden eine Kombination, die Investoren nervös macht. Erst wenn sich zeigt, wie viel vom milliardenschweren Auftragsbestand tatsächlich in Umsatz umschlägt, dürfte sich das Bild für die Aktie klären.

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