Super Micro Computer hat am Dienstag Zahlen vorgelegt, die selbst optimistische Erwartungen übertrafen. Der Aktienkurs reagierte mit einem Plus von 4,1 Prozent auf 39,16 Dollar am Donnerstag und setzt damit eine Erholung fort, die sich bereits seit Wochen aufgebaut hat.
Margen verdoppeln sich, Auftragsbuch explodiert
Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte der Server-Hersteller einen Nettoumsatz von 11,1 Milliarden Dollar, nach 10,2 Milliarden Dollar im Vorquartal. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,70 Dollar – gegenüber 0,41 Dollar im Vorjahresquartal ein Vielfaches.
Besonders auffällig: Die bereinigte Bruttomarge sprang auf 17,6 Prozent und lag damit mehr als doppelt so hoch wie die eigene Prognose des Unternehmens von 8,2 bis 8,4 Prozent. Auch gegenüber den 9,9 Prozent im dritten Quartal und den 9,5 Prozent im Vorjahresquartal markiert das einen deutlichen Sprung.
Parallel dazu meldete Super Micro einen Auftragseingang von mehr als 60 Milliarden Dollar und einen nach eigenen Angaben rekordhohen Auftragsbestand zum Start des neuen Geschäftsjahres. Diese Kombination aus Margenerholung und prall gefülltem Orderbuch liefert die Erklärung für die Kursreaktion: Anleger preisen nicht mehr nur Wachstum ein, sondern auch eine strukturell verbesserte Profitabilität.
Ausblick sprengt Konsensschätzungen deutlich
Noch mehr Aufmerksamkeit zog die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 auf sich. Super Micro stellt einen Umsatz zwischen 65 und 72 Milliarden Dollar in Aussicht – nach eigener Einschätzung fast 30 Prozent über dem, was der Marktkonsens erwartet hatte.
Für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres rechnet das Unternehmen mit einem Gewinn je Aktie von 1,01 bis 1,10 Dollar, während Analysten im Schnitt lediglich 0,72 Dollar veranschlagt hatten.
Solche Prognosesprünge wecken naturgemäß auch Skepsis, ob das Management die Erwartungen bewusst hoch ansetzt, um den Markt zu überraschen. Angesichts der zuletzt volatilen Historie des Unternehmens dürfte diese Frage Analysten in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.
Rechtliche Altlasten bleiben im Hintergrund
Neben den operativen Erfolgen begleiten Super Micro weiterhin juristische Verfahren. Im Juli ernannte ein Gericht Handelsbanken Fonder AB, das Pensionssystem der öffentlichen Angestellten von Mississippi sowie Storebrand Asset Management AS zu Lead Plaintiffs in einer Sammelklage wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs; die Kanzlei Kessler Topaz Meltzer & Check fungiert als federführender Anwalt der Kläger. Ende Juni durchsuchten taiwanische Behörden zudem ein lokales Büro des Unternehmens, was den Kurs an jenem Tag um gut 8 Prozent einbrechen ließ.
Bereits im März hatte das US-Justizministerium eine Anklage gegen drei Personen entsiegelt, darunter ein Vorstandsmitglied und Senior-Manager des Unternehmens, wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Exportkontrollen. Super Micro selbst wurde in der Anklage nicht als Beschuldigter genannt, stellte nach eigenen Angaben aber zwei Mitarbeiter frei und beendete ein Vertragsverhältnis mit einem Auftragnehmer.
Bewertung mit Fragezeichen
Trotz der jüngsten Rally notiert die Aktie noch immer rund ein Drittel unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 58,78 Dollar vom Oktober vergangenen Jahres. Der starke Kurszuwachs der vergangenen Wochen zeigt, dass der Markt die Kombination aus Margenerholung und Rekordauftragsbestand honoriert – die anhaltenden Rechtsrisiken bleiben für Anleger jedoch ein Unsicherheitsfaktor, der die Bewertung weiterhin belasten könnte.
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