Super Micro Computer hat die Anleger mit einem widersprüchlichen Zahlenwerk überrascht. Der Umsatz enttäuschte, die Profitabilität übertraf dagegen die Erwartungen deutlich, und der Ausblick fiel überraschend ehrgeizig aus. Die Aktie schoss nach oben, doch unter der Oberfläche bleiben Fragen offen, die den Kurs im weiteren Jahresverlauf einholen könnten.
Ein Quartal voller Gegensätze
Im vierten Geschäftsquartal erreichte der Umsatz 11,1 Milliarden Dollar, ein Plus von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber am unteren Ende der eigenen Spanne. Als Grund nannte das Management Verzögerungen bei großen KI-Rechenzentrumsprojekten. Genau diese Verschiebungen sorgten jedoch für eine überraschend hohe Marge.
Da margenschwache KI-GPU-Projekte zurücktraten und höhermargiges Geschäft mit Unternehmens- und Handelskunden zulegte, sprang die bereinigte Bruttomarge auf 17,6 Prozent, weit über den ursprünglich angepeilten 8,2 bis 8,4 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 1,70 Dollar.
Ehrgeizige Ziele für das neue Jahr
Für das Geschäftsjahr 2027 peilt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 65 und 72 Milliarden Dollar an, nach 39,1 Milliarden Dollar im abgelaufenen Jahr. Für das erste Quartal stellt Super Micro einen Erlös von 14,5 bis 15,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Firmengründer Charles Liang verwies auf einen Auftragseingang von über 60 Milliarden Dollar.
Zugleich dürfte die Marge wieder sinken, da der Anteil margenschwacher KI-Systeme laut Prognose auf über 80 Prozent zurückkehrt. Das Management will die Profitabilität mittelfristig über Enterprise-Server, Speicherhardware und modulare Rechenzentrumslösungen verbessern.
Super Micro Computer Aktie Chart
Der Cashflow bleibt das offene Thema
So stark der Ausblick klingt, so deutlich bleiben die Bedenken. Bei einem erwarteten Umsatzplus von rund 75 Prozent dürfte der steigende Kapitalbedarf einen Großteil der vorhandenen liquiden Mittel aufzehren. Zum Jahresende verfügte Super Micro über 7,5 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln, denen 8,7 Milliarden Dollar an Finanzschulden gegenüberstanden.
Zuvor hatte das Unternehmen im Juni durch eine Kapitalerhöhung 5,6 Milliarden Dollar eingesammelt, was bei Anlegern für Unmut gesorgt hatte. Wettbewerber wie Dell und HPE finanzieren ihr Wachstum weitgehend ohne solche Verwässerung. Zudem steht der ausstehende Geschäftsbericht mit möglichen neuen Angaben zur Prüfung von Exportkontrollverstößen noch aus. Ob die starke Bilanzoptik den Kurs trägt oder die Finanzierungsfrage zurückkehrt, bleibt die zentrale Unbekannte.
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