Die Aktie von Super Micro Computer verlor am Donnerstag im nachbörslichen Handel 12 Prozent an Wert, nachdem das US-Justizministerium eine Anklage gegen drei Personen aus dem Umfeld des Unternehmens veröffentlicht hatte. Mitgründer Yih-Shyan „Wally“ Liaw, der seit 2023 im Vorstand sitzt, sowie Vertriebsmanager Ruei-Tsan „Steven“ Chang und Auftragnehmer Ting-Wei „Willy“ Sun sollen gegen das Exportkontrollgesetz verstoßen haben. Das in San Jose ansässige Unternehmen selbst ist nicht Gegenstand der Anklage.
Systematischer Verstoß gegen Exportkontrollen
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio vor, seit 2024 Server mit Grafikchips von Nvidia im Wert von mindestens 2,5 Milliarden Dollar illegal nach China exportiert zu haben. Zwischen Ende April und Mitte Mai 2025 sollen allein Server im Wert von 510 Millionen Dollar über ein südostasiatisches Unternehmen nach China gelangt sein. Die Produkte unterliegen strengen US-Exportkontrollen und dürfen nur mit behördlicher Genehmigung nach China verkauft werden, die das Unternehmen nicht besaß.
Bemerkenswert erscheint das Vorgehen der Angeklagten: Sie sollen Etiketten und Seriennummern mit Föhnen von den echten Servern entfernt und auf Attrappen geklebt haben, um sowohl den Hersteller als auch die Exportbehörden zu täuschen. Diese Methode lässt auf ein systematisches und gut organisiertes Vorgehen schließen.
Super Micro Computer Aktie Chart
Unternehmen reagiert mit sofortigen Maßnahmen
Super Micro Computer teilte mit, am Donnerstag von der Anklage erfahren zu haben und mit den Ermittlern kooperiert zu haben. Das Unternehmen suspendierte Liaw und Chang umgehend und beendete die Zusammenarbeit mit Auftragnehmer Sun. Liaw und Sun wurden bereits festgenommen, während Chang auf der Flucht ist.
Jay Clayton, der von Präsident Trump ernannte US-Staatsanwalt für den südlichen Bezirk New York und frühere Vorsitzende der Börsenaufsicht SEC, betonte die Bedeutung raschen Handelns bei Vergehen im Zusammenhang mit sensibler Technologie. Für Anleger stellt sich nun die Frage, welche weiteren Konsequenzen auf das Unternehmen zukommen könnten. Die Tatsache, dass Super Micro selbst nicht angeklagt wurde, dürfte zwar entlastend wirken, doch die Verstrickung hochrangiger Personen wirft Fragen zur internen Kontrolle auf.
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