Ein Short-Seller-Bericht wirft Sumitomo Pharma vor, Gewinne im großen Stil aufgehübscht zu haben. Die Aktie reagierte prompt mit Verlusten, und die Vorwürfe treffen einen Konzern, der ohnehin schon mit schwacher operativer Entwicklung kämpft.
Gotham City Research zielt auf Bilanztricks
Der Short-Seller Gotham City Research veröffentlichte am Montag einen Bericht, in dem er Sumitomo Pharma vorwirft, die Finanzberichte für das Geschäftsjahr 2025 um bis zu 165 Milliarden Yen — umgerechnet rund 1,05 Milliarden Dollar — zu hoch ausgewiesen zu haben. Im Zentrum steht angeblich manipulierte Forderungen, mit denen sowohl Sumitomo Pharma als auch die Schwestergesellschaft Sumitomo Chemical ihre Gewinne künstlich aufgebläht haben sollen. Sumitomo Chemical hält eine kontrollierende Beteiligung an Sumitomo Pharma.
Konkret bemängelt Gotham eine Dividende von 48 Milliarden Yen aus der Schweizer Tochter SMPS, die im März 2026 angekündigt wurde — nur wenige Wochen vor einer öffentlichen Kapitalmaßnahme im Volumen von 116,4 Milliarden Yen im April. In den Anhängen zur Muttergesellschaft sei stattdessen eine „Sachausschüttung“ von 164 Milliarden Yen aus SMPS aufgetaucht, die auf der nicht-konsolidierten Gewinn- und Verlustrechnung nirgends erscheine. Gotham hält eine Short-Position und bezeichnet die Aktien beider Unternehmen als „uninvestierbar“ mit einem Abwärtspotenzial von 50 bis 100 Prozent. Sumitomo Pharma reagierte bislang nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
Schwache Zahlen verstärken das Misstrauen
Die Attacke trifft auf einen ohnehin angeschlagenen Kurs. Die Quartalszahlen zum ersten Geschäftsjahresquartal 2027, veröffentlicht am 31. Juli, zeigten einen operativen Gewinnrückgang von rund 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr — der ausgewiesene Nettogewinn stieg nur wegen Wechselkurseffekten. Für das erste Halbjahr stellte das Management einen deutlichen Gewinneinbruch in Aussicht, was Investoren schon vor dem Gotham-Bericht verunsicherte.
Die Sumitomo-Pharma-Aktie fiel am Dienstag um 3,7 Prozent auf 1.224 Yen. Sumitomo Chemical gab um 3,6 Prozent auf 494,1 Yen nach und markierte im Tagesverlauf ein Tief bei 491,3 Yen. Der breite Nikkei 225 lieferte keinen Rückhalt: Der Index geriet unter Druck, nachdem eine gemeinsame Währungsintervention Japans und der USA den Yen kräftig steigen ließ und exportorientierte Branchen belastete.
Für die kommenden Tage dürfte entscheidend sein, ob Sumitomo Pharma auf die konkreten Bilanzierungsfragen zur SMPS-Dividende reagiert. Bislang steht eine Stellungnahme des Konzerns aus — die Vorwürfe von Gotham bleiben damit unwidersprochen im Raum.
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