Michael Saylor hat eine Antwort auf alles. Diesmal lautet sie: Schuld ist die KI. Rund 400 Milliarden Dollar seien in den vergangenen sechs Monaten in den KI-Aufbau geflossen, schrieb der Strategy-Chairman auf X. Bitcoin-ETFs hätten seit dem 14. Mai gut 4 Milliarden Dollar an Abflüssen gesehen. „Das ist eine Kapitalrotation, keine Bitcoin-Beeinträchtigung“, so Saylor. Und natürlich: „Volatilität schafft Chancen.“
Schöne Theorie, unschöne Meldung
Zeitgleich mit diesem Bekenntnis zur Bitcoin-Stärke legte Strategy in einem Filing vom 1. Juni offen, dass das Unternehmen zwischen dem 26. und 31. Mai 32 Bitcoin verkauft hat. Durchschnittspreis: 77.135 Dollar je Coin. Erlös: rund 2,5 Millionen Dollar, zweckgebunden für Dividendenzahlungen auf Vorzugsaktien.
32 Bitcoin. Bei einem Gesamtbestand von rund 843.706 Bitcoin ist das natürlich ein Tropfen. Aber es ist der erste Verkauf seit Jahren. Und er kam nicht aus einer Position der Stärke heraus, sondern weil laufende Verbindlichkeiten bedient werden mussten.
Der größte Unternehmenshalter, mit wachsendem Druck
Strategy bleibt der größte Unternehmenshalter von Bitcoin weltweit. Daran ändert sich nichts. Doch Bitcoin selbst hat in den vergangenen sieben Tagen mehr als 14 Prozent verloren, auf Monatssicht fast 23 Prozent. Die MSTR-Aktie liegt im gleichen Zeitraum noch deutlicher zurück: minus 28 Prozent auf 30-Tage-Basis, minus knapp 15 Prozent seit Jahresbeginn.
Saylor nennt das Volatilität. Andere nennen es einen Papierverlust von mehr als 10 Milliarden Dollar und fragen laut, ob Strategy den Bitcoin-Zyklus falsch eingeschätzt hat.
Strategy Inc Aktie Chart
Rotation oder Rückzug?
Die KI-Rotations-These ist nicht dumm. Kapital sucht Rendite, und die KI-Infrastruktur zieht gerade enorme Summen an. Aber sie erklärt nicht, warum Strategy selbst verkaufen musste, um Dividenden zu finanzieren. Das ist kein Marktproblem, das ist ein Liquiditätsproblem im Kleinen.
Saylor sagt, die Langzeitstrategie bleibe unverändert. Das mag stimmen. Nur: Wer zum ersten Mal seit Jahren verkauft und gleichzeitig erklärt, warum das alles gar kein Problem ist, der klingt zumindest ein bisschen wie jemand, der sich selbst überzeugen will.
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