Michael Saylors Bitcoin-Vehikel hat erneut verkauft – und die Reaktionen der Analysten könnten unterschiedlicher kaum ausfallen. Während Grayscale den jüngsten Schritt als Vertrauensbeweis für das Finanzierungsmodell wertet, warnt JPMorgan vor einem neuen Unsicherheitsfaktor für den gesamten Kryptomarkt. Strategy selbst steckt mitten in einem milliardenschweren Bewertungsverlust.
Verkauf, Verlust, neues Regelwerk
Zwischen dem 29. Juni und dem 5. Juli hat Strategy 3.588 Bitcoin im Gegenwert von rund 216 Millionen Dollar veräußert. Das Geld fließt in Dividendenzahlungen auf die Vorzugs- und Digital-Credit-Aktien sowie in den Aufbau der Dollar-Reserve. Zeitgleich musste das Unternehmen für das zweite Quartal 2026 einen Bewertungsverlust von 8,32 Milliarden Dollar auf seine Kryptobestände ausweisen – Folge des Bitcoin-Kursrückgangs im Berichtszeitraum.
Grundlage der Verkäufe ist das neu eingeführte Digital Credit Capital Framework. Es erlaubt Strategy, bei Bedarf bis zu 1,25 Milliarden Dollar seiner Bitcoin-Bestände zu monetarisieren, um Liquidität zu sichern, Vorzugsdividenden zu bedienen und Aktienrückkäufe zu stützen.
Grayscale beruhigt, JPMorgan warnt
Grayscale-Analyst Zach Pandl sieht in der Bilanz keinen Anlass zur Sorge: Rund 52 Milliarden Dollar Bitcoin-Vermögen stehen etwa 7 Milliarden Dollar Schulden gegenüber, die jährlichen Dividendenverpflichtungen liegen bei unter 2 Milliarden Dollar. Nach dem jüngsten Verkauf verfügt Strategy über liquide Mittel von etwa 2,55 Milliarden Dollar – genug, um die Dividenden nach Pandls Rechnung für rund 17 Monate zu decken.
JPMorgan sieht das anders. Die Bank kritisiert, dass Strategy nun gleichzeitig Käufer und Verkäufer von Bitcoin sein könnte und dadurch ein „vermeidbares Zweibahn-Risiko“ in den Kryptomarkt trage. Ihre Empfehlung: zusätzliches Eigenkapital aufnehmen und die Barreserve auf eine Deckung von 24 bis 36 Monaten ausbauen, statt bei den aktuellen 17 Monaten zu bleiben.
Der Streit der Analysten trifft auf ein ohnehin nervöses Marktumfeld. Der CMC Crypto Fear and Greed Index notierte zuletzt bei 25 Punkten und signalisiert damit Angst unter Anlegern, während Bitcoin selbst rund die Hälfte unter seinem Rekordhoch aus dem Oktober 2025 handelt.
Wie viel von den autorisierten 1,25 Milliarden Dollar Strategy in den kommenden Wochen tatsächlich abruft, dürfte davon abhängen, wie sich der Bitcoin-Kurs entwickelt und ob die Kapitalreserve die von JPMorgan geforderte Schwelle erreicht.
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