Es war eine Zäsur für den größten Bitcoin-Konzern der Welt. Strategy verkaufte im Juni und Juli 2026 insgesamt 3.588 Bitcoin und erlöste dafür rund 216 Millionen Dollar. Der Schritt durchbricht das jahrelange „HODL“-Versprechen des Unternehmens. Die Aktie verlor am Mittwoch weitere 3,4 Prozent auf 82,40 Euro — das Papier notiert 75,66 Prozent unter dem Niveau von vor zwölf Monaten.
Die Dividende als Treiber
Der Bitcoin-Verkauf dient einem klaren Zweck: Strategy finanziert damit die Dividendenzahlungen auf seine Digital Credit Securities, darunter die Anleihe STRC. Executive Chairman Michael Saylor verteidigt den Schritt als Teil des „Digital Credit Capital Framework“. Sein Argument: Wächst Bitcoin um mindestens 3,3 Prozent pro Jahr, könne der Konzern die Vorzugsdividenden „unbegrenzt“ aus Kapitalgewinnen bedienen.
Selbst bei null Prozent Wachstum reichen die vorhandenen USD-Reserven von 2,55 Milliarden Dollar laut Unternehmensangaben noch für rund 31 Jahre Dividenden. Die jährliche Dividendenzahlungspflicht liegt bei etwa 1,5 Milliarden Dollar.
Die Verkaufsaktion brachte allerdings einen Verlust. Mit durchschnittlich 60.000 Dollar pro Bitcoin lag der Verkaufspreis unter dem Einstandswert von 75.476 Dollar — realisierter Verlust: rund 54 Millionen Dollar.
Analysten bleiben optimistisch
Trotz des Kursverfalls von rund 79 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch zeigt sich die Analystengemeinschaft verhalten positiv. Barclays nahm im Juli eine Coverage mit „Overweight“ auf und setzte ein Kursziel von 130 Dollar. Analyst Ramsey El-Assal spricht von einem „Sektor-Reset“, der den Fokus auf langlebige Geschäftsmodelle lenke.
Citi senkte zwar das Kursziel von 260 auf 136 Dollar, bleibt aber bei „Buy“. Insgesamt bewerten 17 Analysten die Aktie mit „Moderate Buy“.
Technisch steht die Aktie unter Druck: Der RSI von 38,6 bewegt sich auf die überverkaufte Zone zu. Der Kurs liegt 43,49 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 145,81 Euro.
Marktbeobachter sehen Wendepunkt
Kritiker wie Peter Schiff hinterfragen die Nachhaltigkeit der steigenden Dividendenzahlungen. Andere Stimmen bewerten die Entwicklung positiver. Grayscale etwa sieht durch den Verkauf sogar geringere „Tail Risks“ — das Unternehmen demonstriere eine funktionierende Finanzierungsstruktur.
Bitwise bezeichnet die jüngste Volatilität der Vorzugsaktien als „Late-Cycle-Flush“ und deutet auf einen möglichen Bodenbildungsprozess hin. Das ungenutzte BTC-Monetisierungsprogramm über 1,25 Milliarden Dollar bleibt intakt: Die 216-Millionen-Verkäufe zählen nicht dazu, da sie als „Off-Programm“ für Dividenden klassifiziert sind.
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