Ein Wochenend-Appell aus der KI-Branche schickt STMicroelectronics am Montag deutlich ins Minus. Die Aktie fällt im Tagesverlauf um rund 4 bis 4,7 Prozent auf Werte um 42,90 Euro. Auslöser ist ein Vorstoß von Anthropic-Chef Dario Amodei, der ein Abbremsen des Tempos bei der Entwicklung fortschrittlicher KI-Modelle fordert — Sam Altman, Elon Musk und Satya Nadella äußerten sich in ähnlicher Richtung.
Chip-Sektor breit unter Druck
Der Vorstoß trifft die gesamte Halbleiterbranche. In Asien verloren SK Hynix und Samsung Electronics deutlich, Kioxia gab in Japan ebenfalls kräftig nach. In Europa zogen ASML, Infineon, ASM International und BE Semiconductor die Verluste mit sich, STMicroelectronics reihte sich dort ein.
Für ST wiegt die Nachricht besonders, weil sich der Konzern zuletzt gezielt als Zulieferer für KI-Infrastruktur, Edge-AI und Automotive-Anwendungen positioniert hat. Jedes Signal einer nachlassenden KI-Nachfrage berührt damit direkt die Wachstumsstory.
Bernstein-Analysten um Stacy Rasgon sehen zwar keinen zwingenden Zusammenhang zwischen einem langsameren Entwicklungstempo und sinkenden Investitionen — die Stimmung im ohnehin schon seit dem Junihoch um rund 19 Prozent gefallenen Sektor dürfte der Vorstoß dennoch belasten.
Mizuho-Analyst Vijay Rakesh bestätigte am Montag seine Kaufempfehlung für STMicroelectronics, beließ das Kursziel jedoch unverändert. Ein fehlendes Signal nach oben lieferte damit kein Gegengewicht zum Verkaufsdruck.
Zusätzlich belastete das schwächere Marktumfeld: Der CAC 40 gab nach, während Anleger vor anstehenden Zinsentscheidungen der US-Notenbank, der Bank of Japan und der Bank of England vorsichtig agierten. Steigende Ölpreise nährten zudem Inflationssorgen, die Nasdaq gab spürbar nach.
Neuer Bildsensor als operatives Gegengewicht
Unabhängig vom Kurseinbruch trieb der Konzern sein Automotive-Geschäft voran. Mit dem ST SafeSense VD56GA stellte das Unternehmen einen neuen Bildsensor für die Innenraumüberwachung in Fahrzeugen vor, der laut Unternehmensangaben 35 Prozent schärfere Bilder und knapp 60 Prozent höhere Infrarot-Empfindlichkeit als die Vorgängergeneration liefert.
Der Sensor soll Autoherstellern helfen, Fahrer- und Insassenüberwachung kostengünstiger auf breitere Fahrzeugklassen auszurollen — ein Markt, der laut Marktforschern bis 2031 auf über 70 Millionen Einheiten wachsen soll. Gefertigt wird der Chip im ST-Werk im französischen Crolles.
Die Aktie bleibt damit zwischen zwei Erzählungen gefangen: kurzfristigem Sentiment-Druck aus der KI-Debatte und langfristigem Ausbau des Automotive-Portfolios. Am 21. September steht zudem der Ex-Dividenden-Termin an, der in den kommenden Tagen für zusätzliche Positionierungsbewegungen im Kurs sorgen dürfte.
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