Stellantis kämpft mit einem gefährlichen Ungleichgewicht in Nordamerika. Während die Auslieferungen an Händler massiv steigen, bleiben die Kunden in den USA zurückhaltend. Die Folge: Die Parkplätze der Autohäuser füllen sich schneller als die Auftragsbücher.
Das Inventar-Dilemma in Nordamerika
Im zweiten Quartal stiegen die Auslieferungen in Nordamerika um geschätzte 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der tatsächliche Absatz im US-Einzelhandel kletterte im gleichen Zeitraum allerdings nur um sechs Prozent. Der Konzern verschiffte rund 445.000 Fahrzeuge in die Region, von denen nun viele ungenutzt bei den Händlern stehen könnten.
Branchenkenner befürchten deshalb aggressive Preisnachlässe in der zweiten Jahreshälfte. Hohe Rabatte belasten jedoch die Gewinnmargen — ein wunder Punkt für die Aktionäre. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits rund 47 Prozent an Wert verloren. Das Management begründet die hohen Bestände mit sommerlichen Produktionspausen und dem Start neuer Modelle wie dem Ram 1500.
Neuer Kurs für Jeep und Ram
Um die Probleme im wichtigsten Markt zu lösen, baut Stellantis die Führungsebene um. Die erfahrenen Manager Matt VanDyke und Branden Coté übernehmen die Leitung der Kernmarken Jeep und Ram. Dieser Wechsel erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt, an dem sich der Konzern gegen Konkurrenz aus China und etablierte Rivalen behaupten muss.
Parallel dazu stützt das Geschäft in Europa die Bilanz. Dort stiegen die Auslieferungen im zweiten Quartal um etwa fünf Prozent, auch dank der Integration der Marke Leapmotor. Dennoch bleibt der nordamerikanische Markt der wichtigste Motor für die Profitabilität der Gruppe.
Anleger blicken nun auf die offiziellen Finanzzahlen für das zweite Quartal Ende Juli. Besonders der industrielle freie Cashflow steht unter Beobachtung, nachdem dieser zum Jahresstart negativ ausfiel. Hält die psychologisch wichtige Unterstützung bei 5,00 Euro nicht, droht ein Test des Jahrestiefs bei 4,59 Euro.
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