Die gescheiterten Handelsgespräche zwischen den USA und Kanada ziehen den Automobilsektor massiv in Mitleidenschaft. Nachdem US-Präsident Trump Zölle in Höhe von 50 Prozent auf kanadische Kraftfahrzeuge, Lastwagen und Autoteile angekündigt hat, gerät Stellantis an der Börse unter Verkaufsdruck.
Die Maßnahme soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten und zielt darauf ab, das Handelsdefizit von rund 60 Milliarden US-Dollar zu reduzieren. Die Aktie notiert aktuell bei 4,51 Euro, was einem Rückgang von 2,8 Prozent entspricht.
Handelsstreit erzwingt strategische Standortprüfung
Die Eskalation im transatlantischen Handelsgefüge folgt auf den Zusammenbruch diplomatischer Bemühungen am Freitag. Während die Verhandlungen ursprünglich darauf abzielten, die bestehenden Zölle für Automobile von 25 Prozent auf 15 Prozent zu senken, führte ein Streit über mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge zum Abbruch.
Als unmittelbare Reaktion traten bereits am Samstag US-Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von etwa 20 Milliarden US-Dollar in Kraft. Die kanadische Regierung hat angekündigt, ab dem 8. September mit entsprechenden Gegenzöllen auf Stahl, Milchprodukte und weitere Güter zu reagieren.
Für Stellantis hat die politische Entwicklung konkrete operative Konsequenzen. Medienberichten zufolge erwägt der Konzern den Verkauf oder die Schließung seines Werks in Brampton in der Provinz Ontario. Bramptons Bürgermeister Patrick Brown mahnte an, dass kein Abkommen besser sei als ein schlechtes Abkommen, falls der Automobilsektor nicht ausreichend geschützt werde.
Erste Verlagerungen zeichnen sich bereits ab: Die Produktion des Jeep Compass soll vom kanadischen Standort nach Illinois in die USA verlegt werden. Die Gewerkschaft Unifor warnte in diesem Zusammenhang vor einer existenziellen Bedrohung für den Sektor, da in Kanada Schätzungen zufolge rund 90.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Automobilproduktion hängen.
Analysten streichen Kursziele drastisch zusammen
Die neue Unsicherheit im nordamerikanischen Markt veranlasste namhafte Analysehäuser zu deutlichen Korrekturen ihrer Einschätzungen. Die Experten von UBS senkten ihr Kursziel für Stellantis von zuvor 9,50 Euro auf nun 5,80 Euro.
Parallel dazu korrigierten die Analysten von Piper Sandler ihre Erwartung von 14 US-Dollar auf lediglich 4 US-Dollar. Marktbeobachter weisen darauf hin, dass eine umfassende Revision des Handelsabkommens USMCA jeden großen Automobilhersteller mit zusätzlichen Kosten von bis zu 2 Milliarden US-Dollar belasten könnte.
An der Börse spiegelt sich die Skepsis der Investoren in einer anhaltenden Schwächephase wider. Mit dem heutigen Kursrückgang vergrößert sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das im Dezember bei 10,49 Euro markiert wurde, auf minus 57 Prozent.
Während Stellantis mit der Teilnahme an der NVBDC National Conference im Oktober in Detroit weiterhin Präsenz im US-Markt zeigt, bleibt das operative Umfeld durch die drohenden Handelsbarrieren belastet. Neben den Zöllen auf kanadische Importe belasten zudem neue Sanktionsankündigungen der US-Regierung gegen den Iran und schwankende Rohstoffpreise die allgemeine Stimmung im Industriesektor.
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