In Kanada spitzt sich der Konflikt um ein stillgelegtes Stellantis-Werk zu. Die Gewerkschaft Unifor, die mehr als 9.000 Beschäftigte des Autoherstellers vertritt, hält einen Streik für eine reale Möglichkeit. Auslöser ist der geplante Verkauf einer Fabrik im Großraum Toronto an einen Rüstungskonzern.
Verhandlungen in der Sackgasse
Der aktuelle Tarifvertrag zwischen Stellantis und Unifor läuft am 20. September aus. Gewerkschaftspräsidentin Lana Payne bezeichnete die Verhandlungen als äußerst schwierig und erklärte, man befinde sich in einer Sackgasse. Nach den Arbeitsgesetzen der Provinz Ontario müsste Unifor zunächst ein Streikmandat unter den Mitgliedern einholen, bevor Arbeitsniederlegungen offiziell möglich wären.
Kern des Streits ist das Werk in Brampton, das seit 2025 stillsteht. Ursprünglich sollte dort der Jeep Compass produziert werden. Stellantis kippte diesen Plan im vergangenen Jahr jedoch wegen der US-Zölle auf ausländisch gefertigte Fahrzeuge und verlagerte die Produktion in ein Werk in Illinois.
Unifor erklärte die Gespräche für gescheitert, nachdem Stellantis fortgeschrittene Verkaufsverhandlungen mit dem kanadischen Panzerfahrzeughersteller Roshel bestätigt hatte.
Zollpolitik verschärft den Druck
Über dem gesamten Konflikt schwebt die US-Handelspolitik. Kanadische Fahrzeuge unterliegen beim Import in die USA bereits einem Zoll von 25 Prozent. US-Präsident Trump droht zudem mit einer Anhebung auf 50 Prozent ab dem 1. Januar, sollten Washington und Ottawa keine Handelsvereinbarung erzielen. Diese Aussicht dürfte die Kalkulation von Stellantis rund um Produktionsstandorte in Nordamerika weiter beeinflussen.
Payne verwies darauf, dass sich am Fall Brampton zeigen werde, ob Management, Beschäftigte und Regierungsvertreter bereit seien, den kanadischen Automobilsektor zu stützen. Für Stellantis steht damit nicht nur ein einzelner Werksverkauf im Raum, sondern die grundsätzliche Frage, wie stark sich der Konzern aus der kanadischen Fertigung zurückzieht.
Sollte die Mitgliederabstimmung über ein Streikmandat positiv ausfallen, könnte eine Arbeitsniederlegung noch vor Ablauf des Tarifvertrags am 20. September beginnen.
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