Das Werk in Rennes wurde 1960 gebaut, um die abgelegene Bretagne zu industrialisieren. Anfang der 2000er Jahre liefen dort noch gut 400.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band, drei Montagelinien, volle Auslastung. Heute steht eine einzige Linie, ein einziges Modell: der Citroen C5 Aircross. Das ist der Ort, den Stellantis nun auserkoren hat, um Voyah-Elektroautos für den chinesischen Staatskonzern Dongfeng zu bauen.
51 Prozent und eine Absichtserklärung
Laut zwei mit der Sache vertrauten Quellen, die Reuters informierten, soll das Joint Venture zu 51 Prozent Stellantis gehören. Eine Absichtserklärung ist demnach bereits unterzeichnet. Die Ankündigung war schon für Mittwochmorgen geplant. Stellantis wollte sich nicht äußern, Dongfeng antwortete nicht.
Voyah ist Dongfengs Luxusmarke. Wer Voyah-Autos in Frankreich baut, zahlt keine EU-Strafzölle auf chinesische Elektroautos. Das ist der eigentliche Kern dieser Vereinbarung, kein industriepolitisches Bekenntnis zur Bretagne.
3.210 Autos in ganz Europa
Dongfeng ist in Europa ein Neuling. 2025 verkaufte das Unternehmen laut Dataforce genau 3.210 Fahrzeuge der Marken Dongfeng und Voyah auf dem gesamten Kontinent, in einer Handvoll Märkte, darunter Italien und Polen. Zum Vergleich: Stellantis selbst kämpft gerade darum, verlorenes Terrain in Nordamerika und Europa zurückzugewinnen. CEO Antonio Filosa soll das am Donnerstag auf einem Kapitalmarkttag den Investoren erklären.
Stellantis N.V. Aktie Chart
Schon die zweite China-Ehe in kurzer Zeit
Dabei ist das Rennes-Projekt nicht mal die erste solche Konstruktion dieser Art. Anfang Mai hatte Stellantis bereits ein Abkommen mit dem chinesischen Partner Leapmotor verkündet, Elektroautos gemeinsam in Spanien zu bauen. An dem 2023 gegründeten Joint Venture mit Leapmotor hält Stellantis ebenfalls 51 Prozent. Und vergangene Woche kam noch ein Deal dazu, unter dem Dongfeng künftig Jeep- und Peugeot-Fahrzeuge in China fertigt.
Stellantis positioniert sich damit als bevorzugter Fabrikpartner für chinesische Hersteller in Europa. Volkswagen prüft nach eigenen Angaben ebenfalls, ob es überschüssige Kapazitäten an chinesische Marken vermieten will. Magna produziert schon heute in Österreich Autos für Xpeng und GAC. Das Modell ist also erprobt.
Wer hier wen braucht
Dongfeng will bis 2030 weltweit 4 Millionen Fahrzeuge verkaufen, mehr als 40 Prozent davon außerhalb Chinas. Der brutale Preiskampf im heimischen EV-Markt treibt die chinesischen Hersteller in die Expansion, das ist die Logik dahinter. Stellantis hingegen hat ein Werk, das kaum noch ausgelastet ist, und braucht jeden Auftrag, der die Linie beschäftigt. Wer hier wen rettet, ist eine offene Frage. Rennes produzierte einmal 400.000 Autos im Jahr. Dongfeng verkaufte zuletzt 3.210 in ganz Europa.
Stellantis-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Stellantis-Analyse vom 20. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Stellantis-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Stellantis-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
