Stellantis stemmt sich mit einem umfassenden Umbauprogramm gegen die anhaltende Kursschwäche. Konzernchef Antonio Filosa bekräftigte beim Branchentreffen des Fachmagazins Automotive News in Detroit die Finanzziele für das laufende Jahr.
Zugleich kündigte das Management verschärfte Qualitätskontrollen und eine Produktoffensive für Nordamerika an, um die operative Trendwende einzuleiten. An den europäischen Märkten notiert der Autotitel heute bei 3,85 Euro und bewegt sich mit einem Minus von 59 Prozent seit Jahresbeginn weiterhin nahe seinem 52-Wochen-Tief von 3,83 Euro.
Qualitätsoffensive mit 50 Einsatzzentralen
Um bestehende Produktmängel abzustellen, hat Stellantis fast 50 interne Arbeitsgruppen eingerichtet. Bis zum Jahr 2028 soll der Konzern in allen Segmenten und Vertriebsregionen das oberste Viertel der Qualitätsrankings erreichen. Nach Erhebungen des US-Marktforschers J.D. Power hatten die volumenstarken Marken Jeep und Ram zuletzt unterdurchschnittliche Zuverlässigkeitswerte verbucht.
Für die Neuausrichtung stellte Stellantis im vergangenen Jahr mehr als 2.000 zusätzliche Ingenieure ein. Rund 3.000 Entwickler arbeiten zudem an einem Sparprogramm, das bis 2028 Kostensenkungen von rund 7 Milliarden US-Dollar bringen soll. Spekulationen über eine Aufspaltung des Portfolios wies Filosa zurück. Der Konzern hält an sämtlichen 14 Marken fest und stärkt stattdessen die regionale Verantwortung der einzelnen Einheiten.
Günstigere Modelle für Nordamerika
In den USA will das Unternehmen verlorene Marktanteile mit preisgünstigeren Fahrzeugen zurückgewinnen. In den kommenden fünf Jahren sollen dort elf neue Modelle anlaufen, darunter sieben Fahrzeuge für unter 40.000 US-Dollar. Zwei Varianten sind für ein Preisniveau unter 30.000 US-Dollar vorgesehen. Aktuell bietet Stellantis auf dem US-Markt mit dem Jeep Compass nur ein einziges Modell in dieser unteren Preiskategorie an.
Neben reinen Elektrofahrzeugen setzt das Management auf Antriebe mit Reichweitenverlängerern. Die Kombination aus Verbrennungsmotor als Generator und elektrischem Antrieb soll zuerst im Modell Jeep Grand Wagoneer und anschließend im Pick-up Ram 1500 auf den Markt kommen. Für das Jahr 2028 ist zudem der Marktstart des kleineren Pick-up-Modells Rampage für Nordamerika avisiert.
Lieferengpässe dämpfen europäische Werke
Während Filosa die langfristige Strategie vorantreibt, belasten kurzfristige Engpässe das europäische Tagesgeschäft. Im Oktober plant Stellantis temporäre Produktionsstopps an französischen Standorten. Betroffen sind die Werke in Sochaux und Rennes, an denen unter anderem die Modelle Peugeot 3008 und Citroën C5 Aircross gefertigt werden.
Als Ursache nannte Reuters unzureichende Lieferungen von Hochvoltbatterien für reichweitenstarke Elektroversionen durch das Gemeinschaftsunternehmen ACC, an dem Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies beteiligt sind. Auch im Turiner Werk Mirafiori ruht Ende Oktober für zwei Wochen die Fertigung des Fiat 500, da neben Teileengpässen eine schwächere Gesamtnachfrage zu Verwerfungen führte.
Filosa bekräftigte dennoch die Prognose für 2026. Das Unternehmen erwartet weiterhin ein Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich sowie eine bereinigte operative Marge im niedrigen einstelligen Bereich. Für das Jahr 2027 peilt das Management einen positiven freien Cashflow an, der im darauffolgenden Geschäftsjahr 2028 auf mehr als 3 Milliarden Euro klettern soll.
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