Stellantis Aktie: 3,2 Prozent Plus auf 4,65 Euro

Stellantis verzeichnet leichte Kurserholung nach massiven Verlusten, während Analysten uneins sind und Rückrufe sowie Werksschließungen drohen.

Auf einen Blick:
  • Kursplus von 3,2 Prozent
  • UBS senkt Einstufung auf Neutral
  • Rückruf von 955.000 Fahrzeugen
  • Rückkehr in die Gewinnzone

Nach einer monatelangen Talfahrt hat die Aktie von Stellantis am gestrigen Freitag ein deutliches Lebenszeichen von sich gegeben. Mit einem Kursplus von 3,2 Prozent schloss das Papier bei 4,65 Euro.

Marktbeobachter werten diese Bewegung vor allem als technische Gegenreaktion auf ein stark überverkauftes Niveau, nachdem der Titel seit Jahresbeginn einen Wertverlust von rund 51 Prozent hinnehmen musste. Trotz der jüngsten Erholung bleibt die fundamentale Lage des Automobilkonzerns angespannt, geprägt von massiven Rückrufen und einer skeptischen Analystenzunft.

Analysten sehen Risiken bei US-Trendwende und Lagerbeständen

Die Stimmung unter den Finanzexperten hat sich am Mittwoch weiter eingetrübt. Die Großbank UBS senkte ihre Einstufung für Stellantis von „Buy“ auf „Neutral“ und korrigierte das Kursziel deutlich von 9,50 Euro auf 5,80 Euro nach unten. Die Analysten begründeten diesen Schritt mit einer gescheiterten Trendwende im wichtigen US-Markt, einer schwachen operativen Hebelwirkung und zu hohen Lagerbeständen bei den Händlern.

Parallel dazu äußerte sich das Analysehaus Bernstein noch pessimistischer und stufte die Aktie auf „Underperform“ herab. Mit einem neuen Kursziel von lediglich 4,00 Euro liegen die Experten unter dem aktuellen Marktniveau. Sie erwarten, dass die künftigen Erträge bis zum Jahr 2028 deutlich hinter den bisherigen Konsensschätzungen zurückbleiben könnten.

Demgegenüber steht eine Hochstufung durch AlphaValue/Baader Europe auf „Buy“, was die tief gespaltene Meinung der Experten über die künftige Entwicklung des Konzerns unterstreicht.

Rückrufe und Werksschließungen belasten operatives Geschäft

Zusätzlich zu den negativen Analystenstimmen sah sich Stellantis am Montag mit operativen Problemen konfrontiert. Der Konzern rief weltweit rund 955.000 Fahrzeuge wegen eines Softwarefehlers bei den Rückfahrkameras zurück. Betroffen sind vor allem Modelle der Marken Chrysler, Dodge, Jeep und Ram.

Medienberichten zufolge entfallen allein 848.000 Einheiten auf den US-Markt. Das Unternehmen plant, den Fehler durch ein Funk-Software-Update zu beheben, und betonte, dass bisher keine Unfälle oder Verletzungen im Zusammenhang mit diesem Defekt bekannt seien.

An der Produktionsfront bahnen sich weitere Einschnitte an. Mitte August informierte Stellantis die kanadische Gewerkschaft Unifor über die Absicht, den Verkauf oder die Schließung des Montagewerks in Brampton, Ontario, zu prüfen.

Als Grund für diese Überlegungen gelten unter anderem die Auswirkungen von Autozöllen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Laut geltenden Vereinbarungen muss das Unternehmen eine Frist von mindestens einem Jahr einhalten, bevor eine endgültige Schließung oder ein Verkauf vollzogen werden kann.

Fokus auf neue Plattformen und internationale Strategie

Um die Profitabilität langfristig zu sichern, treibt das Management die Modernisierung der Modellpalette voran. Mitte August wurde angekündigt, dass die nächste Generation des Jeep Cherokee als erstes US-Fahrzeug auf der neuen „STLA One“-Plattform im Werk Belvidere gefertigt werden soll. Zudem setzt das Unternehmen auf margenstarke Personalisierung, etwa durch neue Ausstattungspakete für den Dodge Charger.

Strategische Anpassungen gibt es auch in Südamerika. Angesichts der wachsenden Konkurrenz durch chinesische Hersteller überdenkt Stellantis dort seine bisherige Elektrifizierungsstrategie. In der Führungsebene soll der Anfang August ernannte Chief Performance Officer Pablo Di Si die Umsetzung des Wertschöpfungsprogramms leiten.

Trotz der operativen Hürden verwies der Konzern in seinen Zahlen für das zweite Quartal auf die Rückkehr in die Gewinnzone: Einem Nettoertrag von 293 Millionen Euro stand ein Umsatz von 43,5 Milliarden Euro gegenüber, was einem Zuwachs von 13 Prozent entspricht. Das Management bekräftigte zudem den Ausblick für das Gesamtjahr 2026.

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