Zwei neue Cafés in Urumqi bringen Starbucks Ärger aus Washington ein. Ein hochrangiger US-Politiker fordert die sofortige Schließung. Zugleich muss sich der Konzern in einem zweiten Streit vor Gericht behaupten.
Kritik aus dem US-Kongress
Der Vorsitzende des China-Sonderausschusses im Repräsentantenhaus, John Moolenaar, nannte die Eröffnung „schockierend und moralisch bankrott“. Starbucks solle „unverzüglich den Kurs ändern“ und seine Filialen in Xinjiang schließen. Mit jedem dort verkauften Becher werde eine bekannte amerikanische Marke mit dem Vorgehen der Kommunistischen Partei gegen die Uiguren verknüpft, so der Republikaner.
Starbucks hatte am Dienstag zwei Cafés in der Regionalhauptstadt Urumqi eröffnet, eines am Großen Basar und eines am internationalen Flughafen. Menschenrechtsorganisationen werfen der chinesischen Regierung seit Langem vor, die überwiegend muslimische Minderheit der Uiguren zu unterdrücken. Peking weist das zurück.
Brisant ist die Eigentümerstruktur. Im Frühjahr verkaufte Starbucks 60 Prozent seines China-Filialgeschäfts an den Finanzinvestor Boyu Capital. Die übrigen 40 Prozent bleiben beim Konzern. Eine Stellungnahme von Starbucks zu der Kritik liegt nicht vor.
Der Fall reiht sich in eine Serie ein. Volkswagen stand jahrelang wegen seines Werks in der Region in der Kritik und verkaufte den Standort Ende 2024. Umgekehrt gerieten H&M und adidas 2021 in China ins Visier von Boykottaufrufen, nachdem sie Bedenken wegen möglicher Zwangsarbeit geäußert hatten. Unternehmen geraten im Xinjiang-Streit also von beiden Seiten unter Druck.
Rückschlag im Markenstreit mit der Gewerkschaft
Parallel dazu verlor Starbucks am Freitag vor einem US-Bundesgericht in Pennsylvania. Richter Michael Baylson wies den Antrag des Konzerns zurück, die Klage der Gewerkschaft Workers United abzuweisen. Starbucks hatte argumentiert, es gebe keinen aktuellen Streitfall. Der Richter verwies dagegen auf eine Vereinbarung beider Seiten aus dem Jahr 2024.
Die Gewerkschaft will gerichtlich klären lassen, dass sie den Namen „Starbucks Workers United“ und eine abgewandelte Version des Logos mit erhobener Faust nutzen darf. Starbucks hatte die Gewerkschaft 2023 in Iowa wegen angeblicher Markenverletzung verklagt.
Beide Seiten zogen ihre Verfahren 2025 zurück, nahmen sie nach gescheiterten Verhandlungen aber 2026 wieder auf. Die Gewerkschaft klagte im April erneut, Starbucks folgte im Juni mit der Iowa-Klage.
Die Aktie notierte zuletzt bei rund 95 Dollar und gab leicht nach. Beide Themen laufen weiter: Das Verfahren in Pennsylvania geht in die nächste Phase, und der Druck aus dem Kongress dürfte anhalten, solange die Cafés in Urumqi geöffnet bleiben.
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