„Der Glanz ist zurück bei Starbucks, weltweit.“ So formulierte es Brian Niccol höchstpersönlich auf dem Earnings Call am Dienstagabend. Und diesmal hat er die Zahlen auf seiner Seite.
Weit über den Erwartungen
Das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres lief für Starbucks deutlich besser als von den meisten erwartet. Der Umsatz kletterte auf 9,5 Milliarden Dollar, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das globale Same-Store-Wachstum lag bei 6,2 Prozent, die Analysten hatten laut LSEG-Daten im Schnitt 3,7 Prozent eingepreist. Der bereinigte Gewinn je Aktie kam bei 0,50 Dollar rein, die Schätzungen lagen bei 0,43 Dollar. Und es war das erste Quartal mit EPS-Wachstum seit mehr als zwei Jahren.
Die Aktie sprang im nachbörslichen Handel um rund 5 Prozent nach oben. Wer hätte das noch vor einem halben Jahr erwartet?
Starbucks Corporation Aktie Chart
Amerika zieht wieder
Besonders stark war das Nordamerika-Geschäft. Die US-amerikanischen Filialen verzeichneten ein Comp-Wachstum von 7,1 Prozent, getragen von einem Transaktionsplus von 4,3 Prozent. Das ist kein Preiseffekt, das sind Kunden, die wiederkommen. Niccols Turnaround-Programm namens „Back to Starbucks“ setzt auf kürzere Wartezeiten, mehr Personal und ein klareres Markenerlebnis. Rund 80 Prozent der Filialen erreichen inzwischen die internen Serviceziele: vier Minuten im Café, vier Minuten am Drive-through, unter zwölf Minuten für mobile Bestellungen.
Die Kehrseite: Die operative Marge in Nordamerika fiel auf 9,9 Prozent, nach 11,6 Prozent im Vorjahreszeitraum. Mehr Personal kostet Geld. CFO Catherine Smith machte außerdem höhere Produktkosten durch Zölle und gestiegene Kaffeepreise sowie unerwartet hohe Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten als Belastungen aus. Das Unternehmen erwartet, dass sich Zoll- und Kaffeekostendruck in der zweiten Jahreshälfte abschwächt. Ob das so kommt, ist die eigentliche offene Frage.
China: Abgang mit Kalkül
Parallel zur Quartalsmeldung wurde das China-Joint-Venture mit Boyu Capital offiziell vollzogen. Boyu hält 60 Prozent an den chinesischen Filialoperationen, Starbucks 40 Prozent. Das Netzwerk umfasst knapp 8.000 Standorte, langfristig sollen es bis zu 20.000 werden. Ab dem dritten Quartal wird China aus der konsolidierten Konzernbilanz herausgelöst. Starbucks erhielt rund 3,1 Milliarden Dollar Bruttoerlös aus dem Deal, ein Großteil davon soll in den Schuldenabbau fließen.
China bleibt damit präsent, aber als Lizenzmodell. Das verändert die Gewinn-und-Verlust-Rechnung ab Q3 strukturell: weniger Umsatz, höhere Margen, weniger Transparenz für Anleger, die den China-Fortschritt genau verfolgen wollten. Separate Quartalszahlen für China wird es dann nicht mehr geben.
Die Guidance sagt: Niccol glaubt daran
Das Management hob die Jahresziele an. Globales Comp-Wachstum nun 5 Prozent oder mehr, zuvor waren es 3 Prozent. Das bereinigte EPS soll zwischen 2,25 und 2,45 Dollar landen, vorher lag die Spanne bei 2,15 bis 2,40 Dollar. Niccol sagte, positive Verkaufstrends hätten sich auch im April fortgesetzt, die wirtschaftliche Unsicherheit sei bislang nicht im Konsumverhalten der Starbucks-Kunden angekommen. Wachstum über alle Einkommensgruppen hinweg, wie er betonte.
Das Fernziel von 4 Dollar EPS für das Geschäftsjahr 2028 steht noch. CFO Smith sagte dazu lakonisch: „Es ist wirklich noch früh.“ Das stimmt. Aber nach diesem Quartal klingt es zumindest nicht mehr wie ein frommer Wunsch.
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