Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail bereitet sich auf eine wegweisende Präsenz in der deutschen Hauptstadt vor. Während das Unternehmen Ende September auf der Branchenmesse InnoTrans eine breite Palette an technologischen Neuerungen vorstellt, bilden bereits unterzeichnete Großaufträge für den Berliner Nahverkehr das Fundament für die langfristige Wachstumsstrategie. Damit rückt der Standort Berlin zunehmend in das Zentrum der europäischen Aktivitäten des Konzerns.
Großaufträge der S-Bahn und BVG als langfristige Stützen
Ein zentraler Meilerstein für die Präsenz in der Region ist der Vertrag mit der S-Bahn Berlin, der nach dem Verzicht eines Wettbewerbers am 8. Juli rechtskräftig unterzeichnet wurde. In einem Konsortium liefert Stadler insgesamt 350 neue vierteilige Züge.
Über die reine Produktion hinaus übernimmt das Unternehmen die Instandhaltung der Flotte über einen Zeitraum von 30 Jahren sowie den Betrieb wichtiger Teilnetze für 15 Jahre. Diese langfristige Bindung sichert Stadler über Jahrzehnte hinweg planbare Einnahmen im Servicegeschäft.
Parallel dazu treibt das Unternehmen die Modernisierung der Berliner U-Bahn voran. Am 29. Juni wurde ein weiterer Abruf der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) über Fahrzeuge im Wert von 313 Millionen Euro bekannt. Die Summe der Abrufe für insgesamt 650 Wagen beläuft sich damit bereits auf weit über eine Milliarde Euro.
Diese Aufträge unterstreichen die Bedeutung des Werks in Berlin-Pankow, wo die Beschäftigten im Rahmen eines Zukunftstarifvertrags zur Standortsicherung bereits seit dem Vorjahr ihre Wochenarbeitszeit angepasst haben.
Technologische Vielfalt vor dem Branchen-Highlight
Auf der anstehenden InnoTrans, die vom 22. bis 25. September in Berlin stattfindet, präsentiert Stadler sieben Fahrzeuge, die die technologische Bandbreite des Portfolios widerspiegeln. Zu den Exponaten gehören Weltpremieren wie ein Wasserstoffzug für italienische Schmalspurstrecken und die für SBB Cargo entwickelte EURO DuFour-Lokomotive.
Für den österreichischen Markt zeigt Stadler den KISS Railjet sowie den FLIRT Akku, einen batteriebetriebenen Regionalzug. Das Spektrum wird durch die TINA-Tram für Rostock und eine neue Stadtbahn für Stuttgart ergänzt.
Trotz der technologischen Erfolge gibt es regionale Herausforderungen: Medienberichten zufolge fordert die HEAG mobilo aus Darmstadt Lösungen für Lärmemissionen bei der dortigen TINA-Flotte, um deutsche Schallschutzauflagen dauerhaft zu erfüllen.
Finanzielle Weichenstellung für ambitionierte Wachstumsziele
Um die steigenden Auftragsbestände und das operative Geschäft zu finanzieren, hat Stadler am 26. August wichtige Refinanzierungsschritte unternommen. Eine auslaufende Anleihe über 300 Millionen Franken wurde durch die Platzierung von zwei neuen Tranchen in gleicher Gesamthöhe abgelöst.
Zudem wurde ein kurzfristiger Betriebskredit von 90 Millionen auf 125 Millionen Franken erhöht, um die Liquidität zu sichern und die Dividendenzahlung von knapp 50 Millionen Franken zu gewährleisten.
Diese Maßnahmen stützen die Ziele für das laufende Geschäftsjahr, in dem ein Umsatz von deutlich über 5 Milliarden Franken bei einer EBIT-Marge von mehr als 5 Prozent angestrebt wird. An der Börse wird dieser Kurs positiv gewürdigt: Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Plus von 45 Prozent.
Mit einem aktuellen Kurs von 31,38 Euro notiert das Papier zudem etwa 32 Prozent über seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage. Dennoch besteht noch Spielraum zum bisherigen Höchststand; der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt derzeit 7,0 Prozent.
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