Nach dem spektakulären Börsenstart Anfang Juni verliert SpaceX an Schwung. Am Montagmorgen notierte die Aktie im vorbörslichen Handel bei rund 176 Dollar — ein Rückgang von knapp 5 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss.
Dabei bleibt das Papier noch immer etwa 30 Prozent über dem Ausgabepreis von 135 Dollar, zu dem es am 12. Juni debütierte. Der Kurs war zwischenzeitlich bis auf 218 Dollar geklettert. Seither kühlt die Stimmung merklich ab. Retail-Investoren, die in den ersten Handelstagen noch mehr als 300 Millionen Dollar netto in die Aktie pumpten, investierten zuletzt nur noch gut 9 Millionen Dollar pro Woche.
Neuer Boardsitz, alte Governance-Fragen
SpaceX reagiert auf seinen neuen Status als börsennotiertes Unternehmen mit einer Erweiterung des Aufsichtsgremiums. Roelof Botha, früherer Sequoia-Capital-Partner und bekanntes Mitglied der sogenannten PayPal Mafia, rückt als unabhängiger Direktor in den Vorstand. Das Board umfasst damit neun Mitglieder, darunter COO Gwynne Shotwell und Google-Manager Donald Harrison.
Bothas Aufgabe liegt vor allem in der Finanzaufsicht — ein kritischer Posten angesichts des hohen Kapitalbedarfs des Unternehmens.
Ausgerechnet jetzt stufte MSCI SpaceX mit „CCC“ ein — dem niedrigsten möglichen ESG-Rating. Die Agentur vergab einen Governance-Score von 3,2 von 10 und einen Kontrovers-Score von 1 von 10. Damit landet SpaceX in derselben Risikokategorie wie sanktionierte Staaten. Das Unternehmensmanagement wies die Bewertung auf Social Media zurück.
Milliardenbedarf trifft auf sinkende Nutzererträge
Das Timing ist heikel. Noch diese Woche erwartet der Markt die Aufnahme von SpaceX in den Russell 1000 Index. Das löst typischerweise erhebliche institutionelle Käufe aus — zieht aber auch strengere ESG-Prüfungen durch Fondsmanager nach sich.
Der Kapitalbedarf des Unternehmens ist enorm. Die Akquisition von Anysphere, dem Entwickler des KI-Coding-Tools Cursor, kostete 60 Milliarden Dollar. Das KI-Segment schrieb 2025 Verluste, die Investitionsausgaben dort lagen bei 12,7 Milliarden Dollar. Unterm Strich stand ein Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar.
Um eine Brückenfinanzierung für die xAI-Übernahme abzulösen und den Ausbau orbitaler Rechenzentren zu stemmen, plant SpaceX eine Anleiheemission von mindestens 20 Milliarden Dollar. Das Kerngeschäft Starlink lieferte 2025 immerhin 11,4 Milliarden Dollar Umsatz. Allerdings sank der durchschnittliche Erlös pro Nutzer im ersten Quartal 2026 auf 66 Dollar — ein Trend, den Investoren genau beobachten.
Die Russell-Aufnahme Ende der Woche wird zeigen, ob institutionelle Käufer den ESG-Makel ignorieren oder die Aktie weiter unter Druck setzen.
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