SpaceX-Konkurrent Rocket Lab schluckt Iridium: Investoren greifen zu

Rocket Lab übernimmt Iridium für 8 Milliarden USD und steigt zum SpaceX-Jäger auf. Ein technischer Rücksetzer bietet jetzt eine zweite Einstiegschance.

Auf einen Blick:
  • Rocket Lab kauft Iridium für 8 Milliarden.
  • Fusion bringt extrem hohe operative Margen.
  • Neue Neutron-Rakete attackiert direkt Marktführer SpaceX.
  • Technischer Kursrücksetzer bietet jetzt günstige Einstiegschance.

Kaum ein Sektor hat Anleger in diesem Jahr so elektrisiert wie die Raumfahrt (Aerospace) – und kaum eine Aktie steht so exemplarisch dafür wie Rocket Lab.

Das US-Unternehmen des neuseeländischen Gründers Peter Beck ist nach SpaceX der aktivste westliche Raketenstarter. Mit der kleinen Electron-Rakete hat der Konzern bereits über 90 Missionen absolviert und Hunderte Satelliten ins All gebracht.

Die Aktie kannte daher lange nur eine Richtung – bis ihr nach dem Allzeithoch von 151 USD Ende Mai die Puste ausging. Ein breiter Rücksetzer im Raumfahrtsektor sowie Umschichtungen im Zuge des SpaceX-Börsengangs trafen das Papier besonders hart, vom Hoch bis zum Tief verlor es fast die Hälfte seines Wertes.

Doch vergangene Woche kam der Umschwung – mit einem Paukenschlag.

8-Mrd.-Deal mit Vorschusslorbeeren

Rocket Lab übernimmt Iridium Communications, einen der größten Satellitenkommunikationsanbieter der Welt. Der Deal hat einen Wert von rund 8 Mrd. USD; Iridium-Aktionäre erhalten je Anteilsschein 27 USD in bar sowie eine variable Anzahl an Rocket-Lab-Aktien. Das Umtauschverhältnis ist an einen Kurskorridor zwischen 67,50 und 112,50 USD gekoppelt – das Management rechnete also mit hohen Kursschwankungen nach der Ankündigung. Die kamen auch, allerdings vor allem nach oben.

In wenigen Tagen schoss die Aktie von Kursen um 80 USD zurück über die psychologisch wichtige 100-USD-Marke. Das ist bemerkenswert, denn normalerweise gerät die Aktie des Käufers bei einer Übernahme unter Druck – Geld fließt ab, und es drohen Integrationsrisiken. Hier verteilen die Anleger stattdessen Vorschusslorbeeren. Der Abschluss des Deals wird für Mitte 2027 angepeilt.

Vom Raketenbauer zum Komplettanbieter

Der Grund für den Optimismus: Bislang war Rocket Lab im Kern ein Raketenbauer und -betreiber – wachstumsstark, aber kapitalintensiv und margenschwach. Iridium bringt das perfekte Gegenstück mit: ein hochprofitables, wiederkehrendes Geschäftsmodell mit 66 aktiven Satelliten, einem eigenen, weltweit nutzbaren Funkspektrum, 2,5 Mio. zahlenden Kunden aus Regierung, Militär und Wirtschaft sowie einem operativen Gewinn von rund 500 Mio. USD bei einer bemerkenswert hohen Marge von 57%.

Die Geschäftsentwicklung des Konzerns gewinnt damit spürbar an Planbarkeit. Das kombinierte Unternehmen baut Satelliten künftig selbst, bringt sie mit eigenen Raketen ins All und betreibt sie anschließend. Damit wird Rocket Lab neben SpaceX der einzige Konzern sein, der die komplette Wertschöpfungskette der Raumfahrt aus einer Hand abdeckt, was hohe Synergien freisetzen dürfte.

Denn wenn Iridium eine Satelliten-Konstellation erneuern oder erweitern muss, entfällt der teure Fremdeinkauf von Startkapazitäten.

Rocket Lab startet zum Selbstkostenpreis, was über die nächsten Jahre nach Unternehmensangaben Hunderte Millionen USD an Einsparungen sichern soll. Erste Analystenhäuser haben ihre Kursziele nach dem Deal bereits angehoben, zuletzt wurden Ziele von 121 bis 129 USD aufgerufen.

Rocket Lab USA Aktie Chart

Positiver Newsflow hält an

Auch abseits der Übernahme liefert Rocket Lab gute Nachrichten. Ende Juni sicherte sich der Konzern einen weiteren NASA-Auftrag: Die Electron-Rakete wurde für zwei Wissenschaftsmissionen mit insgesamt drei Starts ausgewählt, die ab dem ersten Quartal 2027 stattfinden sollen. Mit dem jüngsten Start für den japanischen Radarsatelliten-Betreiber Synspective – dem zehnten in Folge mit 100% Erfolgsquote für diesen Kunden – absolvierte das Unternehmen bereits seine zwölfte Mission des Jahres.

Und bei einem Start für die US Space Force unterbot Rocket Lab zuletzt sogar die strengen Zeitvorgaben: Zwischen Einsatzbefehl und Start vergingen keine 17 Stunden; ein Rekord, der sich bei der Vergabe künftiger Militärstarts noch auszahlen könnte.

Neuentwicklung Neutron: Rocket Labs Angriff auf Musks Falcon 9

Der nächste große Meilenstein steht im vierten Quartal an, wenn die neue, deutlich größere Neutron-Rakete erstmals abheben soll. Der lange mehrfach verschobene Termin hat vor wenigen Tagen das Behördensiegel erhalten: Bei der US-Luftfahrtbehörde FAA hat Rocket Lab die Startgenehmigung für ein Fenster bis zum Jahresende beantragt – der Zeitplan steht damit erstmals schriftlich bei den Regulierern und passt zur Unternehmenskommunikation.

Die Neutron zielt mit einem Preis von bis zu 55 Mio. USD pro Start direkt auf das Marktsegment der Falcon 9 von SpaceX – ein einziger Neutron-Start bringt so viel Umsatz wie rund sieben Electron-Missionen zusammen. Gleichzeitig öffnet die höhere Nutzlast das margenstarke Segment der nationalen Sicherheitsstarts, für das die Electron schlicht zu klein war. Dort sitzt das Pentagon mit den größten Budgets der Branche.

Technischer Effekt drückt Aktie wieder unter 100 Dollar

Seit Ende Juni ist Rocket Lab Mitglied im Technologie-Index Nasdaq 100 – das zwingt Indexfonds und ETFs zu Käufen und macht die Aktie für ein deutlich größeres institutionelles Publikum handelbar.

Rocket Lab USA Aktie Chart

Der Aufstieg hat allerdings eine kurzfristige Nebenwirkung: Mit dem Abschied aus den Nebenwerte-Indizes der Russell-Familie mussten Small-Cap-Fonds ihre Bestände verkaufen, was den positiven Effekt teilweise überlagerte und ein Grund dafür war, dass die Aktie zum Wochenstart auf rund 96 USD zurückfiel.

Vermutlich waren auch Investoren an Bord, die gezielt auf den Index-Aufstieg setzten und die nach Vollzug verkauften. Das ist ein rein technischer, zeitlich begrenzter Effekt, der mit der Geschäftsentwicklung nichts zu tun hat. Für Anleger, die den Kurssprung nach der Deal-Ankündigung verpasst haben, öffnet sich vielleicht sogar ein zweites Einstiegsfenster mit zweistelligen Kursen.

Einen Blick wert und eine mögliche Alternative zu SpaceX ist die Aktie allemal. Bis zum durchschnittlichen Kursziel der Analysten fehlen aktuell fast 30%.

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