Der 14. Testflug des Starship markiert einen historischen Moment für SpaceX: Erstmals hat das gigantische Trägersystem den Erdorbit erreicht und mit 26 Starlink-V3-Satelliten zahlende Fracht im All abgesetzt. Doch der Jubel an den Finanzmärkten verdeckt für mich eine entscheidende Schwachstelle.
Ein vorzeitig abgeschaltetes Raptor-Triebwerk an der Oberstufe und der frühzeitige Ausfall eines Booster-Triebwerks führten dazu, dass der Flug bereits nach gut drei Stunden statt der geplanten zehn Stunden beendet werden musste. Dieser Teilerfolg demonstriert zwar das enorme Potenzial des Konzepts, unterstreicht aber zugleich, wie steinig der Weg zur versprochenen Serienreife bleibt.
Triebwerksprobleme belasten den Zeitplan
Im deutschen Handel notiert das Papier heute bei 131,46 Euro und gibt mit einem Minus von 0,3 Prozent leicht nach. Nach wie vor trennt den Titel ein Abstand von 32 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch bei 194,46 Euro. Diese Zurückhaltung ist aus meiner Sicht durchaus angebracht.
Zwar hat SpaceX bewiesen, dass das Zusammenspiel der Stufen im Grundsatz funktioniert, doch die Zuverlässigkeit der komplexen Triebwerke bleibt eine gravierende Baustelle. Bereits beim zwölften Testflug im Mai gab es Zündprobleme bei den Raptor-Aggregaten.
Treten derartige Anomalien vereinzelt auf, lassen sie sich als Kinderkrankheiten abhaken. Sollte sich jedoch ein grundlegender Konstruktionsfehler in der Triebwerksarchitektur herausstellen, drohen kostspielige Verzögerungen für die gesamte Flotte. Davon wäre nicht nur die kommerzielle Nutzung betroffen.
Auch der Zeitplan der NASA gerät zunehmend unter Druck: Die US-Raumfahrtbehörde plant für Artemis III frühestens im Sommer 2027 eine bemannte Testmission im Erdorbit und strebt die Mondlandung für 2028 an. Kann SpaceX den Lander nicht rechtzeitig liefern, droht der Rivale Blue Origin mit seinem System Blue Moon das Rennen zu machen.
Hohe Erwartungen an die Skalierung
Ungeachtet der technischen Mängel bleibt die wirtschaftliche Perspektive gigantisch. Mit dem erfolgreichen Aussetzen der neuen Starlink-V3-Satelliten hat SpaceX gezeigt, worum es im Kern geht: Die neuen Einheiten bieten die zehnfache Datenkapazität der Vorgängergeneration.
Gelingt es künftig, bis zu 60 dieser Satelliten pro Start zu transportieren, verschafft sich das Unternehmen einen uneinholbaren Kostenvorteil gegenüber der globalen Konkurrenz.
An der Wall Street stößt dieser Ausblick auf offene Ohren. Die Analysten von Goldman Sachs bekräftigten nach dem Flug ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 220 US-Dollar und betonten, dass die erreichten Meilensteine das langfristige Potenzial nachhaltig untermauern.
Auch das Analysehaus UBS bleibt bei seiner Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210 US-Dollar. Die Experten verweisen auf die technologische Führungsrolle und die vertikale Integration des Konzerns, die im Raumfahrtsektor ihresgleichen suchen.
Das Urteil fällt zwiespältig aus
Für mich liefert Flug 14 ein klares Bild: Die technische Vision von SpaceX trägt, doch der Markt preist die Risiken zu sorglos ein. Bis zur vollständigen Wiederverwendbarkeit des Raumschiffs und dem geplanten Auffangen der Stufen am Startturm müssen entscheidende Hürden bei Hitzeschild und Triebwerksfestigkeit erst noch genommen werden. Auch die für Mondmissionen zwingend erforderliche Betankung im Orbit ist bislang reine Theorie.
Unterm Strich überwiegen für langfristig orientierte Beobachter zwar die Chancen der beispiellosen Transportkapazität. Kurzfristig sollten Investoren die Rückschlagrisiken vor dem 15. Testflug jedoch nicht unterschätzen. Erst wenn SpaceX beweist, dass die Raptor-Triebwerke über die volle Missionsdauer fehlerfrei brennen, ist der Weg für eine nachhaltige Neubewertung frei.
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