Sechs rote Tage in Folge, fast eine Billion Dollar Marktwert vernichtet — und dann scheitert auch noch der nächste Raketentest. SpaceX erlebt gerade eine der härtesten Wochen seit dem Börsengang im Juni.
Die Aktie schloss am Freitag in Europa bei 108,40 Euro, ein Minus von 5,39 Prozent an einem einzigen Tag. Über 30 Tage steht ein Kursrückgang von fast 31 Prozent zu Buche. Zum Allzeithoch vom 16. Juni klafft mittlerweile eine Lücke von 44 Prozent.
Neun von zehn Handelstagen im Minus
Die Serie ist bemerkenswert hartnäckig. In neun der vergangenen zehn Handelstage ging es für SpaceX abwärts. Erst am 17. Juli markierte die Aktie mit 107,34 Euro ein neues Jahrestief — nur knapp unter dem aktuellen Kursniveau.
Der US-Handel liefert ein ähnliches Bild. Dort fiel die Aktie am Freitag um 5,4 Prozent auf 123,99 Dollar. Die Marktkapitalisierung schrumpfte damit auf umgerechnet rund 1,43 Billionen Euro — vom Rekordwert kurz nach dem Börsengang ist gut die Hälfte verschwunden.
Explosionsgefahr am Boden statt im All
Der Auslöser für den jüngsten Ausverkauf kam nicht von der Wall Street, sondern aus Texas. SpaceX musste den Teststart von Starship Flight 13 abbrechen. Vier von 33 Raptor-3-Triebwerken zündeten während des Countdowns in Starbase nicht.
Elon Musk bestätigte, dass zwei Triebwerke ausgetauscht werden. Ein neuer Startversuch ist für Montagabend angesetzt. An Bord: eine neue Ladung Starlink-Satelliten der nächsten Generation. Zusätzlich will SpaceX diesmal eine kontrollierte Wasserung des Super-Heavy-Boosters und eine Neuzündung der Oberstufe im All testen.
Für Anleger ist das mehr als nur ein technisches Detail. Jeder gescheiterte Test nährt Zweifel, wie schnell SpaceX seine ambitionierten Zeitpläne tatsächlich einhalten kann.
Pentagon-Gespräche bremsen den Absturz
Ein Lichtblick blieb inmitten der Verkaufswelle nicht aus. Reuters berichtete, SpaceX verhandle mit dem US-Verteidigungsministerium über den Zugang zu Rechenzentrumskapazitäten. Die Nachricht half der Aktie, einen Teil der Verluste im Tagesverlauf wieder aufzuholen.
Der Ausverkauf spiegelt aber auch eine tiefere Unruhe wider. Anleger fragen sich, wie weit SpaceX seine Ambitionen im Bereich künstliche Intelligenz noch treiben will — und was das für das Kerngeschäft mit Raketen bedeutet. Seit dem Börsengang hat das Unternehmen rund 320 Milliarden Dollar an Marktwert eingebüßt.
Charttechnik zeigt überverkauftes Terrain
Der 14-Tage-RSI liegt bei 34,6 — ein Wert, der klassisch auf überverkaufte Bedingungen hindeutet. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei extremen 93 Prozent. Ein Portfoliomanager brachte es früh in der Verkaufswelle auf den Punkt: Die Aktie habe eine Premium-Bewertung bei sehr geringem Streubesitz, weshalb sich jede Bewegung in beide Richtungen verstärke.
Genau das erklärt die wilden Ausschläge der vergangenen Wochen. Kleine Nachrichten reichen aus, um große Kursschwankungen auszulösen.
Der nächste Startversuch am Montagabend dürfte richtungsweisend werden. Ende August steht zudem der erste Quartalsbericht von SpaceX als börsennotiertes Unternehmen an. Kurz danach dürfen Mitarbeiter und frühe Investoren im Rahmen auslaufender Lock-up-Vereinbarungen rund 911,5 Millionen Aktien verkaufen — ein Volumen, das die Aktie zusätzlich unter Druck setzen könnte.
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