Starke Zahlen, glänzende Aussichten, Fusionsfantasie: SpaceX hatte nach dem ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen alles, was Anleger hören wollen. Nun schiebt sich ein Thema in den Vordergrund, das die Bilanz nicht erfasst. Es geht um Starlink in der Ukraine und die Rolle von Elon Musk.
Zahlen übertreffen die Erwartungen
Der Umsatz im dritten Quartal sprang auf 14,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 161 Prozent. Analysten hatten mit gut 12,7 Milliarden gerechnet. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 4,4 Milliarden Dollar, nach einem Verlust von gut einer Milliarde im Vorjahresquartal.
Größter Treiber ist die neue KI-Sparte, die ihre Erlöse von 813 Millionen auf 7,56 Milliarden Dollar steigerte. SpaceX vermietet Rechenkapazität teils für Milliardenbeträge an KI-Rivalen wie Anthropic. Starlink legte um 69 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar zu, zuletzt zählte der Dienst 13,6 Millionen Kunden.
Der Preis dafür ist hoch. Die Sachinvestitionen beliefen sich auf rund 19,6 Milliarden Dollar, der Großteil davon floss in die KI-Infrastruktur. Für das erste Quartal 2027 peilt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 33 und 37 Milliarden Dollar an, Analysten hatten 22,2 Milliarden erwartet.
Fusion mit Tesla im Raum
Auf der Telefonkonferenz bestätigte Musk Überlegungen zu einem Zusammenschluss mit Tesla. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten eigene Ausschüsse eingerichtet. Es wäre die größte Fusion der Geschichte, eine Entscheidung ist allerdings nicht gefallen.
Vorbörslich legte die Aktie zeitweise gut 9 Prozent zu, nachdem sie am Vortag bei knapp 148 Dollar geschlossen hatte. Auch andere Tech-Werte zogen an, etwa Super Micro. Truist verweist auf die „insatiable“ Nachfrage nach Rechenleistung. Aus Sicht der Analysten stützen die Zahlen die These, dass KI-Cloud-Anbieter Preismacht besitzen.
Beim Kursziel gehen die Einschätzungen auseinander. Deutsche Bank Research nennt 235 Dollar, Bernstein 248 Dollar, Evercore ISI hob zuletzt von 230 auf 275 Dollar an.
Starlink-Streit in der Ukraine
Dazu kommt ein politisches Risiko. Berichten zufolge soll Musk eine Drosselung der Starlink-Nutzung für die Ukraine angeordnet haben. Aus der Ukraine heißt es, Flugobjekte verlören ihre Verbindung, sobald sie schneller als 160 Kilometer pro Stunde unterwegs sind. Präsident Selenskyj beklagt, ukrainische Drohnen seien dadurch bei Abwehr und Angriff behindert.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte nun, die Entscheidung liege bei SpaceX und Musk, nicht beim Weißen Haus. Das gelte für einen privaten Vertrag. Zuvor hatte er noch gesagt, niemand habe die Drosselung angeordnet. Marktbeobachter dürften die Äußerung als Verschiebung der Verantwortung hin zu Musk lesen, was in Washington neue Kritik an seinem Einfluss auf die Außenpolitik auslösen könnte.
Zunächst steht Tesla im Blick. Der Elektroautobauer legt heute nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vor. Dort dürfte sich zeigen, wie konkret Musk die Fusionspläne beschreibt.
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