SpaceX vollzieht den nächsten aggressiven Expansionsschritt: Mit dem vereinbarten Zukauf eines landesweiten Spektrumportfolios greift das Raumfahrtunternehmen die etablierten US-Telekomkonzerne frontal an. An den Märkten sorgt der Vorstoß für Bewegung.
Die Aktie von SpaceX legt heute um 3,9 Prozent auf 148,86 Euro zu, während die traditionellen US-Netzbetreiber spürbare Kursverluste hinnehmen mussten. Aus meiner Sicht beweist dieser Schritt strategische Weitsicht. Dennoch sollten Anleger die immensen Kapitalrisiken nicht ausblenden, die mit diesem Manöver verbunden sind.
Günstige Frequenzen gegen schwächelnde Platzhirsche
Am gestrigen Donnerstag vereinbarte das Unternehmen die vollständige Übernahme eines landesweiten Portfolios von Grain Management. Dieses umfasst bis zu 14 Megahertz an gepaartem Spektrum im 800-Megahertz-Band. Laut einem Bericht des Wall Street Journal beläuft sich das Barvolumen auf rund 8 Milliarden US-Dollar, wenngleich die Vertragspartner die exakten Finanzdaten offiziell nicht offengelegt haben.
Strategisch ist dieser Schachzug bemerkenswert. Niedrigbandfrequenzen wie das 800-Megahertz-Band sind entscheidend, um Funksignale verlässlich durch massive Wände und in geschlossene Räume zu transportieren. Bislang stützt sich Starlink Mobile primär auf Frequenzen um 2 Gigahertz. Diese bieten zwar solide Bandbreiten, schwächeln jedoch bei baulichen Hindernissen.
Gelingt die Kombination aus erdnahen Satelliten und Bodenfrequenzen, könnte Starlink Mobile tatsächlich zu einem ernstzunehmenden US-Netzbetreiber heranwachsen. Für AT&T, Verizon und T-Mobile US ist das eine ernste Bedrohung. Nicht zufällig gerieten deren Notierungen unmittelbar nach Bekanntgabe der Transaktion unter deutlichen Druck.
Teurer Netzausbau und regulatorische Hürden
Der Markt preist diesen Vorstoß bereits als großen Coup ein. Doch ich halte überbordende Euphorie zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht. Frequenzrechte allein bauen noch kein stabiles Mobilfunknetz auf.
Die US-Aufsichtsbehörde FCC muss der Transaktion erst noch zustimmen. Zwar genehmigte die Behörde separat bereits den Einsatz von 15.000 Starlink-Mobile-Satelliten der zweiten Generation. Die Freigabe der konkreten Funklizenzen ist damit jedoch keineswegs garantiert.
Hinzu kommen die gigantischen Folgekosten. Analysten von Bernstein beziffern die Ausgaben für den Aufbau eines vollständigen terrestrischen Netzes auf 50 bis 130 Milliarden US-Dollar. SpaceX müsste zehntausende eigene Mobilfunkmasten anmieten oder errichten, um Ballungsräume lückenlos abzudecken. Das bindet gewaltige Mengen an Liquidität und dürfte Jahre in Anspruch nehmen.
Gewaltiger Schuldenberg dämpft die Fantasie
Parallel dazu treibt das Unternehmen seinen Hunger nach Rechenleistung voran. Laut Berichten von Reuters und der Financial Times verhandelt SpaceX aktuell über ein Finanzierungspaket von 40 Milliarden US-Dollar zum Kauf von Nvidia-KI-Chips. Die Gespräche, an denen die Beteiligungsgesellschaft Apollo federführend beteiligt sein soll, umfassen demnach erhebliche Tranchen an Unternehmensanleihen.
Dieser parallele Kapitalbedarf wiegt schwer. Bereits im Juni wurden im Zuge von Anleiheplatzierungen 25 Milliarden US-Dollar aufgenommen. Zwar wächst der Umsatz von Starlink rasant, doch die kumulierten Verpflichtungen könnten den finanziellen Handlungsspielraum spürbar einengen.
Unterm Strich steht SpaceX vor einem gewaltigen Kraftakt. Die Vision eines globalen Mobilfunknetzes aus dem All besitzt unbestreitbares Potenzial und könnte das US-Oligopol der Carrier dauerhaft ins Wanken bringen.
Für mich überwiegen kurzfristig jedoch die operativen und finanziellen Fragezeichen. Anleger sollten den Zukauf deshalb nicht als sofortigen Durchmarsch feiern, sondern die anstehenden Milliardenausgaben für Netzaufbau und Regulierung nüchtern im Blick behalten.
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