SpaceX steuert auf einen der wichtigsten Handelstage seit dem Rekord-Börsengang zu. Die Schweigepflicht für die Emissionsbanken läuft aus. Ab dieser Woche dürfen Analysten der beteiligten Institute erstmals eigene Kursziele und Prognosen veröffentlichen.
Seit dem Debüt am 12. Juni tappen Anleger weitgehend im Dunkeln. Belastbare Finanzprognosen fehlten bislang fast komplett. Das ändert sich nun, denn die 21 Konsortialbanken rund um Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JPMorgan Chase dürfen nach Ablauf der SEC-Frist erstmals Research zu SpaceX veröffentlichen.
Analysten brechen ihr Schweigen
Die US-Börsenaufsicht schreibt Banken, die einen Börsengang begleiten, eine 25-tägige Sperrfrist vor. In dieser Zeit dürfen sie keine Empfehlungen oder Kursziele zum eigenen Emittenten herausgeben. Der Grund: Interessenkonflikte sollen vermieden werden, schließlich verdienen die Banken direkt am Deal.
Außenstehende Analysten haben sich in der Zwischenzeit bereits sehr unterschiedlich positioniert. Laut dem Wall Street Journal haben bislang 13 Analysten ein Urteil zu SpaceX abgegeben. Sieben davon, also 63 Prozent, vergeben ein Kauf-Rating, vier stufen die Aktie neutral ein, zwei raten zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 229 US-Dollar und impliziert ein Kurspotenzial von 45 Prozent.
Die Bandbreite der Einschätzungen könnte kaum größer sein. Andrew Beale von Arete Research traut der Aktie mit einem Kursziel von 401 US-Dollar am meisten zu. Am anderen Ende steht Morningstar-Analyst Nicolas Owens mit einem Verkaufsrating und einem Kursziel von nur 62 US-Dollar. Owens verweist auf das Risiko, dass SpaceX‘ künftiges Wachstum stark von den wiederverwendbaren Starship-Raketen und der geplanten Vermarktung orbitaler Rechenzentren abhängt.
Kongressabgeordnete kaufen mit
Der Fall bekommt eine politische Note. Pflichtmitteilungen zeigen erstmals Käufe von SpaceX-Aktien durch Mitglieder des US-Kongresses. Dan Meuser (Republikaner, Pennsylvania) und Gil Cisneros (Demokrat, Kalifornien) gelten als erste Abgeordnete mit offengelegten Käufen nach dem Börsengang im Juni.
Die Ausschusssitze der beiden Politiker sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit. Meuser sitzt im Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses, der für Wertpapiere zuständig ist. Cisneros ist Mitglied im Streitkräfteausschuss — und das Verteidigungsministerium zählt zu den größten SpaceX-Kunden.
Meuser meldete einen Kauf eines abhängigen Familienmitglieds im Wert von 15.001 bis 50.000 US-Dollar am 15. Juni. Cisneros gab einen persönlichen Kauf zwischen 1.001 und 15.000 US-Dollar drei Tage später an. Ethikwächter erwarten, dass in den kommenden Wochen weitere Offenlegungen von Abgeordneten beider Parteien folgen.
Volatilität dürfte anhalten
Mehrere Ereignisse fallen in den kommenden Wochen zusammen. Die Sperrfrist endet diese Woche, im August folgen der erste öffentliche Quartalsbericht sowie eine große Freigabe von Mitarbeiteraktien nach dem Börsengang. Marktbeobachter rechnen mit einer Flut an neuen Analysen und Ersteinstufungen — das dürfte die Schwankungen in beide Richtungen verstärken.
Die bisherige Kursgeschichte zeigt bereits, wie heftig die Ausschläge sein können. Die Aktie eröffnete über dem Ausgabepreis, legte am ersten Handelstag um 19 Prozent zu und stieg zwischenzeitlich um bis zu 50 Prozent. Inzwischen notiert sie unter dem ersten Schlusskurs von etwa 161 US-Dollar.
Mit dem Ende der Schweigepflicht und einer erwarteten Welle neuer Analysteneinschätzungen entscheidet sich in den kommenden Handelstagen, ob frisches institutionelles Research oder die bereits laufende indexbedingte Nachfrage die Kursrichtung bestimmt. Der nächste konkrete Termin folgt im August mit dem ersten Quartalsbericht und der Aktienfreigabe für Insider.
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