Ein Börsengang, der mit 85,7 Milliarden US-Dollar Emissionsvolumen sämtliche Rekorde brach. Eine Kursrally, die den Wert binnen weniger Tage auf fast drei Billionen US-Dollar trieb. Und jetzt: ein Aktienkurs, der zwei Tage in Folge unter dem ersten Handelspreis schließt. Bei SpaceX klaffen Hype und Kursrealität gerade auffällig auseinander.
Nasdaq-100-Aufnahme bringt keinen Schub
Am Dienstag wurde SpaceX in den Nasdaq 100 aufgenommen — möglich gemacht durch überarbeitete Regeln der Börse für frisch gelistete Unternehmen. Die Aufnahme zwang Indexfonds und ETFs, die den Nasdaq 100 abbilden, zum Kauf der Aktie. Trotzdem schloss der Titel am Mittwoch bei 148 US-Dollar — unter dem ersten Handelspreis von 150 US-Dollar und damit den zweiten Tag in Folge im Minus gegenüber dem Debüt.
Zur Erinnerung: SpaceX ging Mitte Juni mit 555,6 Millionen Aktien zum Ausgabepreis von 135 US-Dollar an die Börse, nachdem die Zeichnungsbanken ihre Mehrzuteilungsoption vollständig ausgeübt hatten. Der Kurs schoss danach zeitweise auf ein Rekordhoch von 201,80 US-Dollar. Von diesem Höhenflug ist aktuell nicht mehr viel übrig.
Kursziele zwischen 62 und 800 US-Dollar
Mit dem Ende der Analysten-Sperrfrist Anfang der Woche haben mehr als ein Dutzend Banken ihre Erstbewertung veröffentlicht — mit einer außergewöhnlichen Bandbreite:
- Raymond James: 800 US-Dollar, gestützt auf das 27-Fache des für 2031 geschätzten Ebitda
- Morgan Stanley: 300 US-Dollar, Einstufung „Overweight“
- Deutsche Bank: 255 US-Dollar, Analyst Edison Yu verweist auf die Rolle von Starship
- Goldman Sachs: 205 US-Dollar, niedrigstes Ziel der fünf großen IPO-Banken
- Morningstar: 62,51 US-Dollar, einzige klare Verkaufsempfehlung mit Verweis auf massive Überbewertung
Rund drei Viertel aller SpaceX-Analysten votieren mittlerweile mit Kaufempfehlungen — deutlich mehr als der Durchschnitt von 55 bis 60 Prozent im S&P 500. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 241 US-Dollar. Neben Morningstar bleiben nur MoffettNathanson mit einer neutralen Einstufung und CFRA mit einer Verkaufsempfehlung skeptisch.
Drei Standbeine als Wachstumsargument
Die Bullen begründen ihren Optimismus mit der Kombination aus wiederverwendbaren Raketen, dem Satelliteninternet Starlink und dem Einstieg in KI-Infrastruktur wie orbitale Rechenzentren. JPMorgan-Analyst Doug Anmuth rechnet bis 2030 mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von 91 Prozent, getragen von einem Sprung der Raketenstarts auf rund 5.000 bis 2031. UBS-Analyst John Hodulik kalkuliert mit 70 Prozent Umsatzwachstum pro Jahr auf 660 Milliarden US-Dollar bis 2031.
Der Boom um SpaceX strahlt inzwischen auch auf die Konkurrenz aus: Jeff Bezos‘ Blue Origin holt sich erstmals externes Kapital und wird dabei mit 130 Milliarden US-Dollar vor Investition bewertet — ein Beleg dafür, wie stark das Anlegerinteresse an privaten Raumfahrtunternehmen seit dem SpaceX-Börsengang gestiegen ist.
Mehrere Analysten benennen die Startkadenz der neuen Starship-Rakete als größtes Risiko für die ambitionierten Wachstumsziele. Wie schnell SpaceX die Startfrequenz in den kommenden Monaten hochfährt, dürfte zeigen, ob sich die Kursziele jenseits der 200-Dollar-Marke rechtfertigen lassen — oder ob Morningstars Skepsis näher an der Realität liegt.
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