SpaceX-Aktien fallen und fallen. Am Freitag ging der Kurs bei 93,96 Euro aus dem Handel, ein Minus von 3,48 Prozent. Damit notiert das Papier nur noch hauchdünn über seinem 52-Wochen-Tief von 93,41 Euro, erreicht erst einen Tag zuvor.
Der Ausverkauf trifft die frisch börsennotierte Rakenten- und Satellitenfirma nur wenige Wochen nach dem Rekord-Börsengang. Binnen 30 Tagen hat die Aktie über 32 Prozent verloren. Wer seit dem Hoch bei 194,46 Euro Mitte Juni investiert war, sitzt mittlerweile auf einem Verlust von mehr als der Hälfte.
Analysten liefern sich einen offenen Schlagabtausch
Selten war die Meinungslage unter Wall-Street-Analysten so zerrissen wie bei SpaceX. Phillip Securities startet die Coverage mit einem Verkaufsrating und einem Kursziel von 75 Dollar. Die Begründung: Nur 22 Prozent des Umsatzes im Geschäftsjahr 2025 stammten aus dem Launch-Geschäft, obwohl genau das die dominante Cash-Cow des Konzerns ist.
Im Zentrum der bearishen These steht der Kapitalverbrauch. Phillip Securities rechnet bis mindestens 2030 mit roten Zahlen und negativem Free Cashflow — Jahr für Jahr, aufsummiert auf 90 Milliarden Dollar. Die Analysten bringen es auf den Punkt: KI sei zwar die Wachstumsstory des Konzerns, ruhe aber auf Compute-Verträgen, die Ende 2029 auslaufen.
Andere große Häuser sehen das völlig anders. Cantor Fitzgerald hält trotz des Kurssturzes an seinem Kaufrating fest. Craig-Hallum geht noch weiter und wertet den branchenweiten Rückzug aus NewSpace-Werten insgesamt als Kaufgelegenheit für Investoren, die kurzfristige Schwankungen aushalten können.
Charttechnik zeigt überverkaufte Aktie
Die Kursbewegung zeigt, wie schnell die Stimmung gekippt ist. Der 14-Tage-RSI ist auf 31 gefallen — ein Wert, der klassisch als überverkauft gilt. Parallel dazu ist die annualisierte 30-Tage-Volatilität auf 54,45 Prozent geklettert. Der Handel ist seit dem Börsengang spürbar unruhiger geworden.
Auch prominente Investoren uneins
Die Spaltung zieht sich bis zu bekannten Investoren durch. Manche Langfrist-Anleger kaufen trotz des Kursrutsches weiter zu. Bill Ackman etwa hat sich überzeugt von SpaceX‘ Kerngeschäft geäußert und Starlink als „nahes Monopol“ bezeichnet — auch wenn er selbst noch abwägt, ob der aktuelle Kurs diese Stärke widerspiegelt.
Beim Privatanleger-Publikum sorgt SpaceX derweil für außergewöhnliches Interesse. Auf einer Krypto-nahen Handelsplattform entfielen fast 30 Prozent des gesamten Handelsvolumens und der Nutzeraktivität auf die Aktie — bei über 7.000 verfügbaren US-Aktien und ETFs macht SpaceX damit den mit Abstand meistgehandelten Titel aus.
Regulierer erhöhen den Druck
Zum Kursdruck gesellt sich wachsende politische Aufmerksamkeit für SpaceX‘ KI-Sparte. Der ranghöchste Vertreter der Demokraten im Energieausschuss des Repräsentantenhauses, Frank Pallone, fordert Einblick in Unterlagen und eine Besichtigung der Rechenzentren und Kraftwerke rund um Memphis, Tennessee. Sein Vorwurf: Der Konzern habe durch Gasturbinen ohne Emissionskontrollen oder Genehmigungen „ein massives Gesundheitsrisiko“ für die Region geschaffen.
Pallone verlangt die Informationen bis zum 11. August. Der Rechenzentren-Ausbau, den SpaceX über die Übernahme von xAI geerbt hat, entwickelt sich damit zu einem zunehmend sichtbaren politischen Streitpunkt — genau in dem Moment, in dem Anleger ohnehin abwägen müssen, welche Rolle die KI-Sparte neben Starlink und dem Launch-Geschäft im Wachstumspfad des Konzerns spielt.
Die Marktkapitalisierung liegt trotz des Absturzes noch bei umgerechnet rund 1.292 Milliarden Euro. Bis zum 11. August dürfte vor allem die Reaktion auf Pallones Forderung zeigen, wie ernst die regulatorische Bedrohung tatsächlich einzuschätzen ist.
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