SpaceX bringt eine geheime Nutzlast für den US-Geheimdienst ins All. Die Aktie interessiert das kaum. Der Kurs klebt weiter nahe am Mehrmonatstief.
Am Donnerstag wechselten SpaceX-Papiere für 98,85 Euro den Besitzer, ein Plus von 0,66 Prozent. Wenige Stunden zuvor war eine Falcon 9 mit einer klassifizierten Fracht für den National Reconnaissance Office (NRO) gestartet. Der operative Erfolg und die Kursentwicklung laufen bei SpaceX derzeit auf getrennten Gleisen.
Falcon 9 startet Spionage-Fracht für US-Geheimdienst
In den frühen Morgenstunden des 30. Juli hob eine Falcon 9 vom Cape Canaveral ab. An Bord: eine geheime Nutzlast für den NRO, Missionsname NROL-95. SpaceX musste den Starttermin über Nacht anpassen, der Flug lief dann aber plangemäß.
Die Mission ist bereits der dritte NRO-Auftrag, den SpaceX im Rahmen des National Security Space Launch Phase 2-Vertrags abwickelt. Das US Space Systems Command hatte den Auftrag im August 2024 vergeben. Für den NRO ist es 2026 bereits der vierte Start, nach NROL-105, NROL-172 und NROL-179.
Genutzt wurde eine erfahrene Erststufe: Booster B1096 flog bereits zum siebten Mal, zuvor unter anderem bei der NASA-Mission IMAP und beim CRS-34-Versorgungsflug im Einsatz. Rund 8,5 Minuten nach dem Start landete die Stufe an der Landing Zone 2 – die 18. Landung an diesem Standort und die 642. Boosterlandung von SpaceX insgesamt.
Der Flug unterstreicht, wie fest SpaceX den Markt für sicherheitsrelevante Starts der USA im Griff hat. Der 2020 vergebene NSSL-Phase-2-Vertrag teilt dieses Geschäft zwischen SpaceX und ULA auf – SpaceX übernimmt darin den Löwenanteil.
Aktie bleibt unter Druck
Trotz der operativen Stärke rutscht die Aktie weiter ab. Binnen 30 Tagen verlor das Papier 33,86 Prozent, der Abstand zum Rekordhoch von 194,46 Euro vom 16. Juni liegt inzwischen bei 49,17 Prozent. Der RSI von 34,1 signalisiert eine überverkaufte Lage.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor: die Lock-up-Struktur nach dem Börsengang. Frühinvestoren und Mitarbeiter dürfen ihre Anteile in gestaffelten Tranchen von jeweils 7 Prozent verkaufen – terminiert auf verschiedene Tage im August, September und Oktober. Eine weitere große Tranche öffnet sich zwei Handelstage nach dem ersten Quartalsbericht von SpaceX als börsennotiertes Unternehmen, dem Q2-2026-Report. Nach dem darauffolgenden Bericht folgt ein weiterer größerer Verkaufsschub.
Diese gestaffelten Verkaufsfenster erklären einen Teil der Nervosität im Kurs. Sie fallen zusammen mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 65,42 Prozent – ein Wert, der die Turbulenzen seit dem Börsengang deutlich macht.
Starship-Programm macht parallel Fortschritte
Nur wenige Tage vor dem NRO-Start hatte SpaceX mit dem Starship-Programm einen weiteren Meilenstein erreicht. Am 25. Juli absolvierte die Super-Heavy-Starship-Kombination – die stärkste je gebaute Rakete – ihren 13. Testflug. Der riesige Booster erzielte eine zielgenaue, aber „harte“ Wasserung vor der texanischen Golfküste, während die Oberstufe weiter Richtung Indischer Ozean flog.
Bemerkenswert: Die Oberstufe blieb auch nach der Wasserung intakt. SpaceX teilte fünf Tage nach dem Test ein Foto auf der Plattform X, das das Fahrzeug weiterhin schwimmend im Indischen Ozean zeigt.
Falcon 9 liefert im gewohnten Takt Starts für Sicherheitsbehörden, Kommerzkunden und das eigene Starlink-Netz. Starship rückt derweil Schritt für Schritt näher an die operative Wiederverwendbarkeit. Die eigentliche Kursbewegung dürfte in den kommenden Wochen jedoch weniger von diesen technischen Erfolgen abhängen als von den terminierten Lock-up-Ausläufen im August, September und Oktober – und vom ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen.
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