SpaceX Aktie: Nasdaq-100 löst 4,3 Milliarden aus

Sechs große Banken starten das Coverage für SpaceX mit Kaufratings. Morgan Stanley sieht Kurspotenzial von 87 Prozent.

Auf einen Blick:
  • Sechs Wall-Street-Banken starten Coverage
  • Morgan Stanley mit höchstem Kursziel
  • SpaceX in Nasdaq-100 aufgenommen
  • KI-These treibt Fantasie an

Sechs große Wall-Street-Banken starten am selben Tag die Coverage. SpaceX steigt am selben Tag in den Nasdaq-100 auf. Zufall ist das nicht.

Am Dienstag, den 7. Juli, endete die 25-tägige Stillhaltefrist nach dem Börsengang von Space Exploration Technologies. Der Börsengang hatte im Volumen von 86 Milliarden US-Dollar Rekorde gebrochen. Mit Ablauf der Frist durften erstmals große Analystenhäuser eigene Kursziele veröffentlichen — und sie taten es geschlossen mit Kaufempfehlungen.

Morgan Stanley traut sich am weitesten vor

Morgan Stanley setzt die Latte am höchsten. Die Bank vergibt ein „Overweight“-Rating mit einem Kursziel von 300 US-Dollar. Das entspricht einem Aufschlag von 87 Prozent zum Montagsschlusskurs von 160,42 US-Dollar.

Analyst Adam Jonas begründet den optimistischen Ausblick mit einem Rollenwechsel: SpaceX wandle sich vom Raketenstart-Dienstleister zur KI-Infrastruktur. In seiner Notiz schreibt er, das Unternehmen könne „Energie in Intelligenz verwandeln und diese über verschiedenste Kunden- und Unternehmenslösungen monetarisieren“.

Das Modell der Bank spannt einen enormen Rahmen auf. Im Bär-Szenario sieht Morgan Stanley nur 75 US-Dollar, im Bull-Fall dagegen 600 US-Dollar — Letzteres entspräche einer Marktkapitalisierung von rund acht Billionen US-Dollar. Beim Umsatz rechnet die Bank bis 2030 mit 319 Milliarden US-Dollar, bis 2040 sogar mit 3,3 Billionen US-Dollar.

Hinter diesen Zahlen steckt eine konkrete These zur Kostenstruktur. Jonas verweist auf SpaceX-Projekte wie Terafab und Solarfab, die den Kostenaufwand pro Watt auf die Hälfte des Branchendurchschnitts drücken sollen — ohne Chips eingerechnet. Die Ausbaugeschwindigkeit liege demnach sechs- bis achtmal höher als bei Wettbewerbern. Bei der Rakete Starship sieht die Bank durch schnelle Wiederverwendbarkeit beider Stufen Startkosten von etwa 500 US-Dollar pro Kilogramm bis 2030 möglich, unter 150 US-Dollar bis 2040.

Der Rest bleibt näher am Konsens

Kein anderes Haus geht so weit wie Morgan Stanley. UBS vergibt ein „Buy“-Rating mit Kursziel 210 US-Dollar und betont die Rolle von Starship bei der Erschließung neuer Branchen. Goldman Sachs startet ebenfalls mit „Buy“ bei 205 US-Dollar und verweist auf ein günstiges Chancen-Risiko-Verhältnis.

Bernstein setzt auf „Outperform“ mit Kursziel 239 US-Dollar. Begründet wird das mit dem Starship-Erfolg und potenziellem Wert aus KI-gestützten Orbital-Rechenzentren. Wells Fargo bleibt zurückhaltender: Analyst Ken Gawrelski startet mit „Overweight“ bei 230 US-Dollar und schreibt, Starship dürfte kurzfristig vor allem das Starlink-Geschäft stärken. Die Prognosen bis 2028 hängen laut Gawrelski hauptsächlich davon ab, ob SpaceX bestehende Pläne umsetzt — nicht davon, ob neue Technologien entstehen. Citigroup rundet die Welle mit einem Zwölf-Monats-Kursziel von 200 US-Dollar ab.

Die Zahlen hinken der Euphorie hinterher

Bei aller Einigkeit über die Kaufempfehlung liegen die Kursziele weit auseinander. Morgan Stanleys 300-Dollar-Wette setzt auf aggressive KI-Monetarisierung. Goldman und UBS liegen 90 bis 95 Dollar darunter — ein Zeichen für tiefe Uneinigkeit darüber, wie schnell und wie profitabel SpaceX seine technologischen Ambitionen in Gewinne verwandeln kann.

Die optimistischen Prognosen treffen auf ernüchternde Geschäftszahlen. Für 2025 meldet das Unternehmen einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar bei 18,7 Milliarden US-Dollar Umsatz. Allein im ersten Quartal überstiegen die Investitionsausgaben zehn Milliarden US-Dollar.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei etwa 112. Diese Bewertung preist eine Zukunft ein, in der fast alles gelingen muss.

Index-Aufnahme sorgt für Zwangskäufe

Der Zeitpunkt der Analysten-Welle war kein Zufall. Am selben Tag, an dem die Stillhaltefrist auslief, nahm die Nasdaq den Titel in ihren Nasdaq-100-Index auf. Das löste laut Schätzungen passive Fondskäufe von rund 4,3 Milliarden US-Dollar aus.

Diese Kombination aus erzwungenen Indexkäufen und geschlossenen Analysten-Empfehlungen gab dem Kurs kurzfristig Rückenwind — auch wenn die Aktie im frühen Handel zunächst nachgab. Der geringe Streubesitz, bevorstehende Lockup-Fristen für Insider und das Kurs-Umsatz-Verhältnis über 112 bergen erhebliches Schwankungsrisiko. Händler rechnen mit heftigen Ausschlägen in beide Richtungen.

Die gesamte KI-These steht und fällt mit einer einzigen Verbindung: der für Februar 2026 geplanten Fusion mit xAI und Elon Musks Vision orbitaler Rechenzentren mit satellitengestützter Rechenleistung. Ob diese Wette aufgeht, zeigt sich frühestens, wenn SpaceX seine ersten Quartalsberichte als börsennotiertes Unternehmen vorlegt.

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