An den US-Märkten sorgten schwächere Arbeitsmarktdaten zum Ausklang der Woche für spürbare Entlastung: Nachlassende Zinssorgen trugen führende Standardwerte nach oben, und Laut Reuters bewegten sich auch die Papiere von SpaceX im Sog dieser allgemeinen Risikofreude. Die Aktie kletterte am Freitag um 7,2 Prozent auf einen Schlusskurs von 141,20 €.
Doch während das makroökonomische Umfeld für den jüngsten Kurssprung sorgte, wurzelt das Vertrauen der Investoren in einer operativen Verlässlichkeit, die die Branche in dieser Form noch nicht erlebt hat.
Wenn der Orbit zum Fahrplan wird
Ist die Raumfahrt überhaupt noch das spekulative Wagnis früherer Tage, wenn Raketenstarts im Takt eines gut organisierten Logistikkonzerns abgewickelt werden? Am Donnerstag lieferte das Unternehmen eine eindrucksvolle Antwort auf diese Frage.
Innerhalb von rund 13 Stunden hoben gleich drei Großmissionen ab: die Falcon 9 mit der Mission Crew-13 zur Internationalen Raumstation, der Rideshare-Flug Transporter-18 mit 130 Nutzlasten und eine Falcon Heavy mit dem Frachtauftrag NROL-97.
Medienberichten zufolge sahen viele Marktteilnehmer genau in dieser dichten Taktung den entscheidenden Beleg für die industrielle Reife. Denn unter den 130 Nutzlasten des Transporter-Flugs befand sich unter anderem ein KI-Satellit für Googles Project Suncatcher. SpaceX beweist damit, dass kommerzielle und hochspezialisierte Kunden nicht mehr Jahre auf ein Startfenster warten müssen, sondern feste Transportkorridore buchen können.
Milliardenschwere Basis durch Regierungskunden
Dieses Tempo spiegelt sich auch in den Auftragsbüchern wider. Die US-Raumfahrtbehörde NASA honorierte die Zuverlässigkeit im September mit einer Aufstockung des bestehenden Vertrags für bemannte ISS-Flüge um 946 Millionen $. Das Gesamtvolumen dieser Vereinbarung wuchs damit auf 5,92 Milliarden $ an und reicht bis in das Jahr 2030.
Gleichzeitig schafft das Unternehmen die Voraussetzungen, um die Kapazitäten weiter drastisch auszubauen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA leitete kürzlich Voruntersuchungen für eine ergänzende Umweltprüfung am Cape Canaveral ein. Auf dem dortigen Startkomplex SLC-37 plant SpaceX jährlich bis zu 76 Starts und 152 Landungen des Trägersystems Starship-Super Heavy.
Reifeprüfung im All und an der Börse
Zwar verläuft die Entwicklung des neuen Schwerlastträgers nicht völlig ohne Rückschläge – beim Testflug Ende September erreichte Starship zwar den Orbit und setzte 26 Starlink-Satelliten aus, die Mission musste jedoch vorzeitig beendet werden. Doch an den Finanzmärkten dominiert längst der Blick auf die bestehende Flotte, die verlässlich Cashflows generiert und staatliche wie kommerzielle Aufträge abarbeitet.
Mit dem jüngsten Kursanstieg notiert das Papier nun 17 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Anleger honorieren zunehmend, dass der Konzern das Zeitalter der teuren Prototypen hinter sich gelassen hat und die Raumfahrt als skalierbares Dienstleistungsgeschäft etabliert. Die Kombination aus zinsbedingtem Marktrückenwind und operativer Schlagkraft verleiht dem Titel spürbaren Auftrieb.
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