Ein ausgefallenes Triebwerk sorgt für Nachbeben — nicht an der Börse, sondern im Zeitplan der NASA. Der 14. Testflug des Starship-Raketensystems erreichte am Montag erstmals den Erdorbit, musste aber wegen eines Ausfalls eines der drei Haupttriebwerke vorzeitig abgebrochen werden. Was zunächst wie ein technisches Detail klingt, könnte für das Artemis-Programm der US-Raumfahrtbehörde deutlich mehr Gewicht haben.
Ein Triebwerksausfall mit potenziell großer Tragweite
Nach der Stufentrennung fiel eines der Raptor-Triebwerke der oberen Stufe aus. Die Flugkontrolle entschied dennoch, das Starship in den Orbit zu schicken — dort setzte das Raumschiff erstmals Starlink-Satelliten der neuen V3-Generation aus, die ihre Antennen und Solarpaneele wie geplant entfalteten.
Statt der geplanten rund zehn Stunden und sechs Erdumrundungen kehrte das Starship jedoch bereits nach rund drei Stunden kontrolliert zur Erde zurück und stürzte in den Pazifik.
Für SpaceX-Gründer Elon Musk war der Flug dennoch ein Erfolg, NASA-Chef Jared Isaacman gratulierte öffentlich zum Start. Unter der Oberfläche wiegt der Vorfall jedoch schwerer, als die freundlichen Worte vermuten lassen. Das gleiche Raptor-Triebwerkssystem soll später Astronauten zur Mondoberfläche und zurück befördern — ein Ausfall während einer bemannten Mission wäre ungleich kritischer als bei einem unbemannten Test.
Ob es sich um einen isolierten Fehler an einem einzelnen Bauteil handelt oder um ein grundsätzliches Konstruktionsproblem, das Nachbesserungen an der gesamten Flotte erfordert, ist offen. Genau diese Frage entscheidet darüber, wie stark sich der Zeitplan für kommende Testflüge verschiebt — inklusive des geplanten Fangversuchs des Raumschiffs mit den Greifarmen des Startturms nach der Rückkehr.
Der Druck kommt vom Mond, nicht vom Markt
Ähnliche Probleme mit dem Antriebssystem hatten bereits frühere Starship-Flüge belastet, etwa ein Triebwerk, das beim 12. Testflug im Mai nicht zündete. Beim 13. Flug im Juli hatten dagegen alle Triebwerke beim Aufstieg fehlerfrei funktioniert — der aktuelle Rückschlag markiert also keinen linearen Fortschritt.
Die eigentliche Brisanz liegt im Zeitdruck der NASA: Die Agentur peilt offiziell 2028 für die erste bemannte Mondlandung seit der Apollo-Ära an, ein Ziel, das viele Beobachter bereits als ambitioniert einstufen.
Eine vorgelagerte Testmission zur Erprobung von Rendezvous- und Kopplungsmanövern ist schon für den Sommer 2027 vorgesehen. SpaceX konkurriert dabei mit Blue Origin um die Rolle des ersten einsatzbereiten Landers — NASA-Chef Isaacman hatte im April klargestellt, dass am Ende das System zum Zug kommt, das zuerst flugbereit ist.
Wie stark der Triebwerksausfall den Zeitplan tatsächlich belastet, dürfte sich erst mit der Ursachenanalyse von SpaceX zeigen. Bis dahin bleibt die Frage im Raum, ob es beim nächsten Testflug bei einem einmaligen Ausreißer bleibt oder ob tiefere Nacharbeiten an der Raptor-Triebwerksfamilie nötig werden.
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