SpaceX Aktie: MoffettNathanson setzt 131-Dollar-Ziel

Der Börsenneuling SpaceX fällt unter den IPO-Preis. Analysten streiten über den Wert, während eine Tesla-Fusion und Indexkäufe die Aktie bewegen.

Auf einen Blick:
  • Aktie unter Ausgabepreis gefallen
  • Nasdaq-100-Aufnahme brachte Kursrutsch
  • MoffettNathanson mit neutralem Rating
  • Fusionsfantasie mit Tesla bleibt Thema

Der Börsenneuling brauchte weniger als einen Monat für die komplette Rundreise. Nach einem furiosen Start ist die SpaceX-Aktie unter ihren Ausgabepreis gefallen. Zwischen Rekordhoch und frischem Allzeittief liegen nur wenige Wochen — und ein tiefer Riss zwischen Analysten darüber, was der Raketenkonzern von Elon Musk eigentlich wert ist.

Vom Höhenflug zum Rückschlag

SpaceX ging am 12. Juni mit einem IPO-Preis von 135 Dollar an die Börse. Der Konzern platzierte dabei 555,6 Millionen Aktien und sammelte rund 75 Milliarden Dollar ein — bei einer Bewertung von etwa 1,75 Billionen Dollar. Der Handel startete bei 150 Dollar und zog binnen drei Tagen um 50 Prozent an.

Am 16. Juni erreichte die Aktie mit 225,64 Dollar ihr Rekordhoch. Seitdem geht es abwärts. Am 8. Juli markierte das Papier mit 145,20 Dollar sein bisheriges Tief.

Der Auslöser für den jüngsten Rutsch kam ausgerechnet mit einem eigentlich positiven Ereignis: der Aufnahme in den Nasdaq-100. Am 7. Juli, dem ersten Handelstag im Index, brach die Aktie um 6,8 Prozent ein und schloss bei 149,47 Dollar. Damit rutschte SpaceX erstmals unter die Marke von 150 Dollar, zu der der Handel im Juni begonnen hatte.

Passive Indexfonds kauften an diesem Tag Aktien im Wert von schätzungsweise 4 Milliarden Dollar — ein Pflichtkauf, ausgelöst durch die beschleunigten Aufnahmeregeln der Börse nur fünfzehn Handelstage nach dem Börsengang. Verkaufsdruck von anderer Seite überwog trotzdem. Am Donnerstag folgte die erste echte Erholung: ein Plus von 2,6 Prozent auf 152,16 Dollar. Verglichen mit dem Junihoch bleibt die Aktie aber gut ein Drittel im Minus.

Ein Analyst bricht mit dem Konsens

Die Researchboutique MoffettNathanson sorgte diese Woche für Aufsehen. Als einziges Haus unter den frisch startenden Wall-Street-Analysten vergab sie ein neutrales Rating mit einem Kursziel von 131 Dollar — 18 Prozent unter dem jüngsten Schlusskurs von 160,42 Dollar.

Der Ton der Studie war ungewöhnlich direkt. „Es wäre einfach — manche würden sagen klug — mit einem eindeutigen Verkaufsrating zu starten“, schrieb das Team in seiner Erstbewertung. Die Analysten nannten SpaceX‘ Schätzung eines fast 30 Billionen Dollar schweren Zielmarktes „absurd“. Sie zweifelten zudem an den Prognosen für Direct-to-Device-Dienste per Satellit.

Besonders kritisch sehen die Analysten Musks Plan, bis Ende 2029 jährlich 100 Gigawatt an Rechenkapazität ins All zu bringen. Diese Menge übersteigt schon heute die weltweit installierte Rechenzentrumskapazität. Die dafür nötigen Materialien dürften laut MoffettNathanson bis dahin schlicht nicht in ausreichender Menge existieren. Zu einem klaren Verkaufsrating rang sich das Haus trotzdem nicht durch — die Begründung: Investoren bewerten SpaceX offenbar wie eine Option auf Geschäftsfelder, die noch gar nicht erfunden sind.

Der Rest der Wall Street tickt deutlich optimistischer. Morgan Stanley startet mit „Overweight“ und einem Kursziel von 300 Dollar, Bernstein mit „Outperform“ bei 239 Dollar. RBC sieht ebenfalls „Outperform“ vor, Kursziel 225 Dollar, UBS empfiehlt „Buy“ mit einem Zwölfmonatsziel von 210 Dollar.

JPMorgan sieht Fusionsfantasie mit Hürden

Parallel zur Bewertungsdebatte hält sich hartnäckig ein anderes Thema: eine mögliche Fusion von SpaceX und Tesla. JPMorgan-Analyst Rajat Gupta äußerte sich am Dienstag in einer Kundennotiz dazu. „Wir sehen die Möglichkeit einer SpaceX-Tesla-Kombination auf dem Papier als strategisch stimmig“, schrieb Gupta. Sie würde Musk erlauben, Vision und technische Führung über beide Plattformen zu vereinen.

JPMorgan selbst führt SpaceX mit „Overweight“ und einem Kursziel von 225 Dollar — 51 Prozent über dem Dienstagsschluss.

Die praktischen Hürden für eine solche Fusion hält die Bank trotzdem für unterschätzt. „Presseberichte unterschätzen den praktischen Flaschenhals bei der Einholung multinationaler Regulierungsgenehmigungen, besonders in Märkten mit relevanter Tesla-Fertigung“, so Gupta. Hinzu kommt ein Ungleichgewicht bei den Stimmrechten: Musk kontrolliert rund 85 Prozent der SpaceX-Stimmrechte, aber nur 20 Prozent bei Tesla. Eine Fusion würde daher eher wie eine Übernahme durch SpaceX wirken als wie ein Zusammenschluss unter Gleichen.

Lock-up-Fristen als nächster Belastungstest

Investoren blicken jetzt auf zwei gegensätzliche Kräfte: passive Käufe durch die Indexaufnahme und Fusionsfantasie auf der einen Seite, Skepsis gegenüber der rund 2 Billionen Dollar schweren Bewertung auf der anderen. Laut 22V-Research-Stratege Jeff Jacobson könnten Insider bis Anfang September bis zu 44 Prozent der SpaceX-Aktien verkaufen. Ein erster Teil davon — 20 Prozent der vorzeitig freigegebenen Anteile — wird bereits nach dem ersten Quartalsbericht handelbar, der für Ende Juli oder Anfang August erwartet wird.

Bis dahin dürfte das Tauziehen zwischen Indexkäufern und Bewertungsskeptikern die Aktie volatil halten.

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