Am Freitag zur Schlussglocke rollt eine der größten programmatischen Kaufwellen des Quartals über die SpaceX-Aktie. Grund ist die vierteljährliche Neugewichtung des Nasdaq-100 — und die Summen, die dabei bewegt werden, sind ungewöhnlich hoch für ein einzelnes Unternehmen.
Warum sich das Gewicht mehr als verdoppelt
SpaceX war erst am 7. Juli diesen Jahres in den Nasdaq-100 aufgenommen worden, nur 15 Handelstage nach dem Börsengang mit einem Volumen von 75 Milliarden US-Dollar — der schnellste Indexeinstieg in der Geschichte des Barometers. Damals lag der frei handelbare Anteil der Aktien bei lediglich vier bis fünf Prozent, was das Gewicht trotz einer Bewertung von fast zwei Billionen Dollar auf etwa 1,28 Prozent begrenzte.
Zwei Lock-up-Ablauftermine im August haben seither mehr als 1,2 Milliarden zusätzliche Aktien in den Streubesitz entlassen. Große institutionelle Ankerinvestoren hielten ihre Positionen jedoch überwiegend, statt sie abzustoßen. Das Ergebnis: Das Indexgewicht von SpaceX steigt zum Wochenschluss von rund 1,28 auf etwa 2,82 Prozent, offiziell wirksam ab Montag, dem 21. September.
Für die auf den Nasdaq-100 ausgerichteten Fonds mit einem Anlagevolumen von etwa 1,7 Billionen Dollar bedeutet das einen Pflichtkauf ohne Ermessensspielraum. Morgan Stanley taxiert den Nettozufluss auf rund 15,5 Milliarden Dollar, andere Schätzungen reichen bis 22 Milliarden Dollar — drei- bis fünfmal so viel wie beim Indexeintritt im Juli, der seinerzeit rund 4,3 Milliarden Dollar an Zwangskäufen auslöste.
Die Lehre aus dem Juli
Genau dieser Vergleich mahnt zur Vorsicht. Beim Indexeintritt im Juli fiel die Aktie trotz nahezu einhelliger Kaufempfehlungen von 19 Analysten um knapp 6 Prozent. Der Mechanismus ist strukturell: Passive Käufe sind einmalig und preisunempfindlich, was Investoren, die sich vorab positioniert haben, ein ideales Ausstiegsfenster verschafft.
Palantir verlor nach seiner Indexaufnahme im Dezember 2024 rund 23 Prozent in den folgenden Wochen — ein Muster, das Marktbeobachter nun auch für SpaceX im Blick haben.
Die fundamentale Seite liefert derweil Rückenwind. Im zweiten Quartal 2026 setzte SpaceX 7,81 Milliarden Dollar um, ein Plus von 91,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Verlust je Aktie von lediglich 0,09 Dollar gegenüber erwarteten 0,26 Dollar.
Das Compute-Geschäft der KI-Sparte SpaceXAI trägt inzwischen kräftig bei: Anfang September bestätigte Finanzchef Bret Johnsen eine neue Rechenleistungs-Vereinbarung mit einem Kunden im Wert von 1,11 Milliarden Dollar pro Monat — die vierte Vereinbarung dieser Größenordnung binnen vier Monaten, nach Deals mit Anthropic und Google. Das Management hält am Ziel von 100 Milliarden Dollar jährlich wiederkehrendem Umsatz bis Ende 2026 fest.
Was die Bewertung schon einpreist
Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa dem 106-Fachen bleibt allerdings wenig Spielraum für Enttäuschungen. Die nächste Bewährungsprobe folgt ohnehin bald: Ende Oktober und Mitte November laufen weitere Sperrfristen für mehr als 2,3 Milliarden Aktien aus — zeitgleich mit den Quartalszahlen zum dritten Quartal.
Diese Kombination aus Lock-up-Ablauf und Ergebnisvorlage dürfte zeigen, ob sich die Aktie von der reinen Indexmechanik lösen und auf ihre operative Entwicklung konzentrieren kann.
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