Der befürchtete Verkaufsdruck ist eingetroffen: Heute läuft die erste Lockup-Frist von SpaceX nach dem Börsengang aus. Rund 911,5 Millionen Aktien – etwa 20 Prozent der Anteile von Insidern, Mitarbeitern und Risikokapitalgebern – dürfen ab sofort frei gehandelt werden. Der Markt reagierte bereits gestern mit einem Kurssturz von 14,12 Prozent auf 93,46 Euro. Damit liegt das Papier nur noch 2,66 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief, das erst am 3. August markiert wurde.
Der Zeitpunkt der Freigabe fällt ausgerechnet mit einer Serie starker operativer Nachrichten zusammen. Anleger müssen nun abwägen, ob die fundamentale Entwicklung des Unternehmens die technische Belastung durch die zusätzlichen handelbaren Aktien aufwiegt.
Starke Zahlen, aber hohe Investitionen belasten die Stimmung
Am Dienstag legte SpaceX seine Quartalsergebnisse vor. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal 2026 auf 7,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettoverlust verringerte sich deutlich von zuvor 1,0 Milliarden auf 541 Millionen Dollar, während das bereinigte EBITDA um 191 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar zulegte. Das Connectivity-Segment rund um Starlink verdoppelte seine Nutzerzahl binnen eines Jahres auf zwölf Millionen zahlende Abonnenten und erzielte im Quartal ein operatives Ergebnis von 1,7 Milliarden Dollar.
Konzernpräsidentin Gwynne Shotwell stellte parallel die kommerzielle „Direct-to-Cell“-Strategie vor, mit der SpaceX Mobilfunkanbieter wie Verizon, AT&T und T-Mobile herausfordern will. Über 50 MHz Mittelband-Spektrum, das von EchoStar erworben wurde, sollen Datenraten von bis zu 150 Mbit/s direkt auf unveränderte Smartphones übertragen werden.
Trotz dieser Fortschritte bleibt die Kapitalintensität des Geschäfts ein zentrales Thema für Investoren. Das Unternehmen hatte im Juni eine erste Anleihe über 25 Milliarden Dollar in fünf Tranchen platziert, um Starship und die KI-Infrastruktur zu finanzieren – ein Hinweis darauf, wie kostspielig die nächste Wachstumsphase ausfällt.
Analysten uneinig über die Bewertung
Die Einschätzungen der Wall Street gehen nach den jüngsten Entwicklungen weit auseinander. Piper Sandler senkte am Dienstag das Kursziel für SpaceX von 156 auf 140 Dollar und beließ die Einstufung bei „Neutral“. Die Analysten verwiesen dabei sowohl auf die massive Aktienfreigabe als auch auf geplante Investitionsausgaben von 65 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2027.
Morgan Stanley zeigte sich am selben Tag deutlich zuversichtlicher und bekräftigte ein Kursziel von 300 Dollar. Die Bank hob zugleich ihre Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 45 bis 48 Milliarden Dollar an, räumte aber ein, dass die hohen Investitionen kurzfristige Gewinnsteigerungen ausbremsen. Automatisierte Bewertungsmodelle stufen die Aktie aktuellen Berechnungen zufolge als überbewertet gegenüber ihrem fairen Wert ein.
Cursor-Übernahme und Starship Flight 14 im Blick
Neben dem operativen Geschäft treibt SpaceX seine Ambitionen im Bereich künstlicher Intelligenz voran. Das Management bestätigte am Dienstag die Übernahme des KI-Unternehmens Cursor für 60 Milliarden Dollar und verwies zudem auf die im Juli erfolgte Veröffentlichung des KI-Modells Grok 4.5.
Auf der Raumfahrtseite kündigte Firmenchef Elon Musk den vorläufig für Ende August geplanten Starship-Flug 14 an. Ziel ist die erste orbitale Aussetzung von Starlink-V3-Satelliten sowie ein Versuch, die obere Stufe mit dem Startturm einzufangen. Bereits am 24. Juli hatte Flug 13 erfolgreich 20 Starlink-V3-Satelliten zu Testzwecken ausgesetzt, bevor die obere Stufe im Indischen Ozean landete. Am 1. August startete zudem eine Falcon 9 mit 24 weiteren Starlink-Satelliten von der Vandenberg Space Force Base – die 25. Mission der Erststufe B1081.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus Rekordwachstum, hohen Investitionsanforderungen und dem frisch verfügbaren Aktienangebot maßgeblich für die kurzfristige Kursrichtung. Eine Falcon-9-Mission mit Starlink-Satelliten von der Basis SLC-4E in Kalifornien ist für den 8. August terminiert und dürfte den operativen Nachrichtenfluss fortsetzen.
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