Während die SpaceX-Aktie am Mittwoch erstmals seit ihrem Börsengang unter den Ausgabepreis fiel, schrauben gleich mehrere Wall-Street-Häuser ihre Kursziele nach oben. Ein Analysthaus reicht dabei sogar bis auf 250 Dollar hinauf – rund 85 Prozent über dem aktuellen Kursniveau. Diese Kluft zwischen Kursverlauf und Analystenoptimismus prägt die Debatte um die Aktie derzeit stärker als jeder einzelne Kurscharts.
Erster Bruch der Marke
Die Papiere rutschten im Tagestief auf 132,15 Dollar und damit erstmals unter den Ausgabepreis von 135 Dollar, zu dem SpaceX Mitte Juni an die Börse ging. Zum Handelsschluss stand die Aktie bei 135,27 Dollar, ein Minus von 0,6 Prozent. Zum bisherigen Rekordhoch von 225,64 Dollar am dritten Handelstag klafft mittlerweile eine Lücke von rund 41 Prozent.
Der Börsengang selbst hatte mit einem Erlös von 75 Milliarden Dollar Rekorde gebrochen und SpaceX-Chef Elon Musk zum ersten Billionär der Geschichte gemacht. Zum Ausgabepreis war das Unternehmen bereits höher bewertet als der Facebook-Mutterkonzern Meta. Die Geschäftszahlen liefern für diese Bewertung bislang wenig Substanz: Im vergangenen Jahr stand einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar ein Verlust von 4,94 Milliarden Dollar gegenüber. Seit rund einer Woche ist die Aktie zudem Teil des Nasdaq 100.
Marktbeobachter sehen in dem Rückgang unter den Ausgabepreis weniger einen Alarmruf als einen normalen Preisfindungsprozess, wie er bei frischen Börsengängen häufig auftritt – Lockup-Verkäufe von Mitarbeitern und frühen Investoren inklusive. Andere warnen, der Bruch der psychologischen Marke nähre die Erzählung, der Kurs sei bislang eher von Euphorie als von Fundamentaldaten getrieben gewesen.
Analysten sehen anderes Bild
Just in dieser Woche rückten JPMorgan mit einem Kursziel von 225 Dollar, Needham mit 250 Dollar und Evercore ISI mit erstmaliger Coverage bei 230 Dollar nach – alle drei deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Needham begründet die Anhebung mit der Vorstellung des KI-Modells Grok 4.5, das SpaceX für Coding- und Agenten-Aufgaben einsetzen will. Deutsche Bank geht in einer Analyse noch weiter und sieht SpaceX durch die Skalierung der Starship-Flüge und vertikale Integration bis Anfang der 2030er-Jahre auf Augenhöhe mit den Kosten klassischer Rechenzentren.
Wer hier näher an der Realität liegt – der Markt mit seinem Ausverkauf oder die Analysten mit ihren Kurszielen weit über 200 Dollar – lässt sich an einem einzelnen Handelstag kaum entscheiden. Für Skeptiker bleibt der fehlende Track Record bei den Quartalszahlen das Hauptargument, für Optimisten die technologische Substanz hinter Starship und Starlink.
Starship-Test als nächste Etappe
Noch am heutigen Donnerstag steht der 13. Testflug der Starship-Rakete an, frühestens um 18:45 Uhr Ortszeit vom Startkomplex Starbase in Texas. Es ist der zweite Flug der V3-Konfiguration, die künftig Starlink- und KI-Satelliten ins All bringen und perspektivisch Astronauten zum Mond befördern soll. An Bord sind diesmal 20 Starlink-V3-Satelliten zu Testzwecken, zudem soll erstmals ein Triebwerk der Oberstufe im Flug erneut gezündet werden.
Der eigentliche Belastungstest für die Aktie dürfte aber erst mit dem ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang kommen. Bislang zahlen Anleger für die Aussicht auf künftige Erfolge – nicht für belegte Gewinne. Ob sich das mit den ersten Zahlen als börsennotiertes Unternehmen ändert, wird sich zeigen, sobald der Bericht vorliegt.
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