Ein missglückter Boosterlandung, ein Analystenhaus mit skeptischem Ersteinstieg und die näher rückende Aktiensperrfrist: Für SpaceX-Anleger bündeln sich zum Wochenauftakt gleich mehrere Belastungsfaktoren. Nach dem jüngsten Kursrutsch notiert die Aktie im deutschen Handel bei 101,18 Euro und damit nahe ihrem 52-Wochen-Tief. Über 30 Tage hat das Papier 24,68 Prozent verloren, der RSI von 33,9 signalisiert eine überverkaufte Marktlage.
HSBC startet mit Hold, Morgan Stanley widerspricht
Die britische Großbank HSBC nahm SpaceX am Freitag erstmals in ihre Coverage auf – mit einem Kursziel von 115 US-Dollar und der Einstufung „Hold“. Das liegt unter dem Emissionspreis von 135 US-Dollar, zu dem die Aktie Mitte Juni an die Börse kam. Die Analysten stützen ihre Bewertung auf ein Sum-of-the-Parts-Modell, das dem Unternehmer Elon Musk sogar eine doppelte Innovationsprämie zugesteht. Selbst mit diesem Aufschlag kommt HSBC nicht über 115 US-Dollar hinaus. Im optimistischen Szenario, sollte Starship bereits ab 2027 kommerziell fliegen, hält das Institut einen Kurs von 293 US-Dollar für möglich.
Diametral entgegengesetzt positioniert sich Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas. Er argumentiert, der Markt bewerte das KI-Geschäft von SpaceX derzeit mit null oder sogar negativ – und genau darin liege die Kaufchance. Jonas hält an einem Kursziel von 300 US-Dollar fest, wovon mehr als die Hälfte auf die KI-Sparte entfällt. Zugleich rechnet er damit, dass die Aktie im Zuge der bevorstehenden Sperrfristauflösung noch einmal auf rund 100 US-Dollar fallen könnte. Unter den von Analysten erfassten Häusern votieren rund 80 Prozent mit „Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 237 US-Dollar – die Schätzungen reichen jedoch von 62 bis 800 US-Dollar auseinander, ein für einen frisch gelisteten Titel ungewöhnlich breites Spektrum.
Starship-Testflug liefert gemischtes Bild
Für Bewegung sorgte am Freitag auch der 13. Testflug des Starship-Systems von der texanischen Starbase. Die Oberstufe setzte planmäßig 20 Starlink-V3-Satelliten aus, der verbesserte Hitzeschild überstand den Wiedereintritt, und die Rakete wasserte kontrolliert im Indischen Ozean. Der Super-Heavy-Booster hingegen kam bei der Landung nur unrund auf: Von den vorgesehenen Triebwerken zündeten fünf nicht erneut, sodass der Aufsetzpunkt hart ausfiel. Für Anleger ist der Flug relevant, weil das gesamte Starship-Programm sowohl für das NASA-Mondlandeprogramm Artemis III als auch für die Bullenszenarien der Analysten zentral ist – HSBCs optimistischste Rechnung etwa hängt direkt an einem kommerziellen Starship-Betrieb.
Lockup-Ende und erste Quartalszahlen als nächste Prüfsteine
Der Kalender der kommenden zwei Wochen dürfte für die Kursentwicklung entscheidend werden. Am 4. August legt SpaceX seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vor; Analysten erwarten einen Umsatz von 6,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 47 Prozent gegenüber dem Vorquartal, bei einem Verlust von 0,28 US-Dollar je Aktie. Nur zwei Tage später, am 6. August, endet die erste Haltefrist für Alt-Aktionäre: Rund 911,5 Millionen Aktien im Gegenwert von etwa 116 Milliarden US-Dollar werden dann erstmals handelbar. Weitere Freigaben sollen bis zum Jahresende folgen, sodass Marktbeobachter mit deutlich steigendem Streubesitz rechnen – aktuell liegt der freie Handelsanteil bei nur rund fünf Prozent der ausstehenden Aktien.
Der geringe Streubesitz erklärt auch die extremen Kursausschläge seit dem Börsengang: Binnen weniger Wochen war die Aktie von ihrem Ausgabepreis auf ein Hoch gestiegen, ehe sie in den Ausverkauf drehte. Mit Blick auf die Leerverkaufsquote, die zuletzt bei rund 31 Prozent der frei handelbaren Aktien lag, dürfte die Auflösung der Sperrfrist zusätzlichen Angebotsdruck erzeugen – genau jenes Szenario, das Morgan Stanley in seiner Kaufempfehlung bereits eingepreist sieht, während HSBC eher auf die noch Jahre andauernde Verlustphase des Unternehmens verweist.
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