Der Fehlstart traf die frisch börsennotierte SpaceX-Aktie mitten in einer ohnehin fragilen Phase und verstärkte einen Ausverkauf, der bereits seit Wochen anhält. Am Freitag schloss der Titel bei 108,40 Euro, ein Tagesminus von 5,39 Prozent. Damit liegt die Aktie nur noch 0,99 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief vom 17. Juli und satte 44,26 Prozent unter ihrem bisherigen Jahreshoch vom 16. Juni.
Der Rückgang der vergangenen 30 Tage summiert sich auf 34,80 Prozent. Ein RSI von 34,6 signalisiert eine nahezu überverkaufte Marktlage, während die annualisierte Volatilität von 93,16 Prozent das Ausmaß der Kursschwankungen unterstreicht. Die Marktkapitalisierung beziffert sich aktuell auf rund 1.438,88 Milliarden Euro – nach den Rekordwerten der ersten Handelswochen ein deutlicher Rückzug.
Short-Seller verdienen Milliarden
Der Kurssturz hat eine ganze Branche profitieren lassen: Leerverkäufer. Nach Berechnungen von Ortex haben Short-Seller seit dem Börsengang im Juni rund 8,7 Milliarden Dollar Gewinn eingefahren, wobei nach dieser Zählweise inzwischen 49 Prozent des Streubesitzes ausgeliehen sind. S3 Partners kommt auf niedrigere, aber ebenfalls hohe Werte von 28 bis 30 Prozent Short-Quote und beziffert die Buchgewinne der Leerverkäufer auf 3,88 bis 5 Milliarden Dollar. Die Leihgebühr für SpaceX-Aktien fiel den Angaben zufolge von 14 auf nur noch 1 Prozent – ein Zeichen dafür, wie leicht Aktien inzwischen zum Shorten verfügbar sind. Elon Musk warnte Leerverkäufer öffentlich, sie würden „nicht überleben“, sollte sich der Kurs erholen.
ARK Invest kauft gegen den Trend
Während Shortseller Kasse machen, greift Cathie Woods ARK Invest antizyklisch zu. Am 17. Juli kaufte das Fondshaus über vier ETFs – darunter ARKK als größter Käufer – insgesamt 147.623 SpaceX-Aktien für 18,3 Millionen Dollar zu einem Durchschnittskurs von 123,99 Dollar. Damit hat ARK seit dem Börsengang im Juni mehr als 475 Millionen Dollar in die Aktie investiert und in den vergangenen Wochen wiederholt nachgekauft, obwohl der Titel an mehreren aufeinanderfolgenden Handelstagen gefallen war.
Lockup-Welle im August als nächster Belastungstest
Der eigentliche Stresstest steht Anlegern nach Einschätzung mehrerer Marktbeobachter erst noch bevor. Anfang August, nach Vorlage der Quartalszahlen für das zweite Quartal, werden rund 911,5 Millionen Aktien im Gegenwert von etwa 123 Milliarden Dollar aus der Haltefrist entlassen – die erste von mehreren gestaffelten Tranchen. Eine weitere Tranche über 455,8 Millionen Aktien beziehungsweise rund 62 Milliarden Dollar wird erst freigegeben, wenn der Kurs die Marke von 175,50 Dollar überschreitet. Elon Musks eigener Anteil von 42 Prozent öffnet sich laut dem gestaffelten Lockup-Plan erst nach Tag 366 seit dem Börsengang. Reuters ordnete den Rutsch unter den IPO-Preis bereits Mitte Juli als psychologischen Rückschlag ein, der aus einem gefeierten Debüt einen Vertrauenstest mache.
Analysten bleiben trotz allem gespalten
Die Bewertungsunterschiede unter Analysten könnten kaum größer sein. Rund 80 Prozent der Analystenhäuser stufen die Aktie mit Kaufen ein, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 244,50 Dollar. Raymond James traut dem Titel sogar 800 Dollar zu, während Morningstar einen fairen Wert von lediglich 62 Dollar ansetzt. JPMorgan äußerte sich zuletzt vorsichtig zum Titel. Operativ verweisen Optimisten auf Starlink: Im ersten Quartal 2026 erzielte die Sparte 3,257 Milliarden Dollar Umsatz und 1,188 Milliarden Dollar Gewinn bei 10,3 Millionen Nutzern, auch wenn der Durchschnittserlös je Nutzer von 99 auf 66 Dollar gesunken ist. Das KI-Segment rund um xAI verbuchte 2025 dagegen einen Verlust von 6,36 Milliarden Dollar. Der nächste Startversuch von Starship war für den 20. Juli angesetzt, die Quartalszahlen für das zweite Quartal folgen im August – zwei Termine, die über die weitere Kursrichtung mitentscheiden dürften.
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