Am Montag, den 13. Juli 2026, setzte sich der Ausverkauf fort, obwohl die US-Luftfahrtbehörde FAA am selben Tag grünes Licht für den nächsten Starship-Testflug gab. Die Freigabe für Flight 13, geplant für Donnerstag, den 16. Juli 2026, konnte den Abwärtstrend nicht stoppen. Die Untersuchung zum vorangegangenen Flug 12 hatte die FAA zuvor abgeschlossen. Damit rückt der Titel spürbar näher an sein Ausgabeniveau vom Börsengang am 12. Juni 2026 heran, nachdem die Aktie in den Wochen zuvor ein deutliches Rekordhoch markiert und anschließend einen erheblichen Teil dieser Gewinne wieder abgegeben hatte.
Belastet wurde der Gesamtmarkt zusätzlich durch geopolitische Spannungen: Nach der von US-Präsident Trump angekündigten Blockade iranischer Schifffahrt durch die Straße von Hormus gerieten Aktienindizes insgesamt unter Druck, was auch SpaceX zusetzte. Hinzu kam ein technologischer Rückschlag aus China: Die erfolgreiche Landung des wiederverwendbaren Long-March-10B-Boosters gilt als Zeichen dafür, dass Peking den Vorsprung von SpaceX bei wiederverwendbaren Raketen verkürzt. Bernstein bezeichnete China inzwischen als führenden Konkurrenten von SpaceX, hielt aber an einer positiven Einschätzung mit Kursziel von 239 US-Dollar fest.
Analysten tief gespalten über den fairen Wert
Kaum ein Unternehmen polarisiert die Wall Street derzeit so stark wie SpaceX. Von 35 erfassten Analystenurteilen entfallen 27 auf Kaufempfehlungen, sieben auf Halten und lediglich eines auf Verkaufen – doch die Kursziele liegen extrem weit auseinander. Raymond James bekräftigte seine Einstufung Strong Buy mit einem Kursziel von 800 US-Dollar und verwies auf den für Flight 13 vorgesehenen Transport von 20 Starlink-V3-Satelliten sowie die deutlich verkürzte Vorbereitungszeit zwischen den Starts. Morgan Stanley sieht 300 US-Dollar als fairen Wert, Goldman Sachs 205 US-Dollar, die Bank of America 235 US-Dollar und UBS 210 US-Dollar, gestützt auf ein geschätztes Gesamtmarktvolumen für Starship von rund 30 Billionen US-Dollar. Citigroup nennt in einem optimistischen Szenario sogar eine Bewertung von 12 Billionen US-Dollar.
Auf der anderen Seite warnen ausgesprochene Kritiker vor einer massiven Überbewertung. CFRA siedelt das Kursziel bei lediglich 115 US-Dollar an, Morningstar beziffert den fairen Wert auf nur 63 US-Dollar. Investor Michael Burry äußerte sich öffentlich skeptisch und erklärte, nichts in den Börsenunterlagen von SpaceX rechtfertige die hohen Bewertungen. Der Hedgefonds-Manager George Noble schätzt den fairen Wert sogar auf lediglich 30 US-Dollar und warnt vor einer Verwässerung des Streubesitzes, sobald die Haltefristen für Altaktionäre auslaufen. Fondsmanager Mark Yusko zog in einem viel beachteten Vergleich Parallelen zur Kryptowährung Dogecoin und nannte die Bewertung „silly“ und nicht nachhaltig.
Starlink liefert Zahlen, der Konzern insgesamt bleibt defizitär
Fundamental stützt sich die Bullenseite vor allem auf das Satelliteninternet-Geschäft Starlink. Für 2025 wies das Segment einen Umsatz von 11,4 Milliarden US-Dollar sowie einen operativen Gewinn von 4,4 Milliarden US-Dollar aus, ein Plus von rund 50 beziehungsweise 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Abonnentenzahl erreichte im März 2026 rund 10,3 Millionen. Auf Konzernebene bleibt SpaceX jedoch tief in den roten Zahlen: Für 2025 wies das Unternehmen einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar aus, im ersten Quartal 2026 kamen weitere 4,28 Milliarden US-Dollar hinzu. Als Treiber der Verluste gilt vor allem der Ausbau der KI-Sparte, für die SpaceX bereits Kooperationen mit Google und Anthropic eingegangen ist.
Geringer Streubesitz als Unsicherheitsfaktor
Ein zentrales Risiko für Anleger bleibt der extrem geringe Streubesitz von rund vier bis fünf Prozent der ausstehenden Aktien – ein Umstand, den Kritiker für die heftigen Kursausschläge seit dem Börsengang verantwortlich machen. Mit dem Auslaufen der Haltefristen im August und September rechnen mehrere Marktbeobachter mit einem deutlichen Anstieg handelbarer Aktien, was zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen könnte. SpaceX war am 7. Juli 2026 in den Nasdaq-100 aufgenommen worden, was zunächst passive Käufe durch Indexfonds auslöste, den grundlegenden Abwärtstrend jedoch nicht umkehren konnte. Die für Anfang August erwarteten ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen dürften nun zum nächsten wichtigen Prüfstein werden – parallel zum Auslaufen weiterer Lock-up-Fristen für Insider.
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