SpaceX Aktie: Erster Quartalsbericht am 6. August

Nach dem Börsengang schwanken die Analystenziele für SpaceX massiv. Die Aktie fällt weiter, während die Debatte über KI und Starlink tobt.

Auf einen Blick:
  • Kursziele zwischen 75 und 600 Dollar
  • Aktie fällt auf 145 Dollar zurück
  • Starlink dominiert, KI belastet
  • Erste Quartalszahlen Anfang August

Vier Wochen nach dem Börsendebüt liegen Wall Streets Analysten bei SpaceX so weit auseinander wie bei kaum einer anderen Aktie dieser Größenordnung. Das eine Kursziel: 600 Dollar. Das andere: 75 Dollar. Dazwischen tobt eine Debatte über die Zukunft eines Unternehmens, das Raketen, Satelliten-Internet und ein KI-Geschäft unter einem Dach vereint.

Die Aktie selbst gibt derweil weiter nach. Am Freitag schloss das Papier bei 145,30 Dollar, ein Minus von 4,51 Prozent zum Vortag. Zwischenzeitlich fiel der Kurs im Tagesverlauf um mehr als 4 Prozent. Charttechniker beobachten die Marke von 145 Dollar genau. Sie gilt als mögliche Unterstützung nach dem steilen Rückgang von den Höchstständen bei 225 Dollar kurz nach dem Debüt am 12. Juni.

Die 52-Wochen-Spanne reicht inzwischen von 135 bis 225,64 Dollar. Das zeigt, wie stark die Aktie seit dem Börsengang schwankt.

Sechs Banken, sechs Meinungen

Mit dem Ende der Quiet Period nach dem Rekord-Börsengang haben gleich sechs große Banken ihre Coverage gestartet. Morgan Stanley legte am Dienstag mit der mutigsten Einschätzung vor: Overweight-Rating, Kursziel 300 Dollar. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 87 Prozent gegenüber dem Montagsschluss um 160 Dollar.

Analyst Adam Jonas begründet seine Zahl kaum mit Raketenstarts. Sein Fokus liegt auf dem wachsenden KI-Infrastrukturgeschäft von SpaceX. In seiner Studie mit dem Titel „AI’s Final Frontier“ prognostiziert er einen Umsatzsprung von 45 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 319 Milliarden Dollar bis 2030 und 3,3 Billionen Dollar bis 2040. Die operative Marge soll dabei auf fast 59 Prozent klettern.

Die Bandbreite um dieses Basisszenario ist außergewöhnlich groß. Im Bull-Case von 600 Dollar sieht Jonas eine Marktbewertung von rund 8 Billionen Dollar — vorausgesetzt, Starship, das Orbital-Compute-Geschäft und die sogenannte Terafab entwickeln sich schneller als erwartet, mit KI-Anteilen von über 60 Prozent am Gesamtwert. Sein Bear-Case von 75 Dollar geht dagegen davon aus, dass sich Starship bis 2029 verzögert und die KI-Monetarisierung enttäuscht.

Die übrigen Banken bewegen sich in einem niedrigeren, aber weiterhin optimistischen Korridor:

  • Wells Fargo: Overweight, Kursziel 230 Dollar
  • UBS: Buy, Kursziel 210 Dollar
  • Bernstein: Kursziel 239 Dollar
  • Goldman Sachs: Kursziel 205 Dollar
  • Citi: Kursziel 200 Dollar

Selbst das vorsichtigste dieser Kursziele impliziert gegenüber dem Freitagsschluss noch deutliches Aufwärtspotenzial. Die Spanne zeigt vor allem eines: Wie schwer sich der Markt tut, ein Unternehmen zu bewerten, das Raumfahrt, Breitband und KI-Rechenleistung gleichzeitig verkauft.

Jonas warnt zudem vor der Finanzierungslast hinter dem Wachstumsplan. Sollten die Kreditmärkte den Kapitalbedarf nicht stemmen können, müsse SpaceX möglicherweise neue Aktien ausgeben, Wachstumsinvestitionen kürzen oder den Ausbau verlangsamen, schreibt er. Als weitere Risiken nennt er die Abhängigkeit von Gründer und CEO Elon Musk, mögliche Interessenkonflikte mit Tesla-nahen Projekten sowie regulatorische Unsicherheiten bei Weltraumschrott, Exportkontrollen und KI-Regulierung.

Zwei Termine, die den Kurs bewegen dürften

Für Aktionäre rücken in den kommenden Wochen zwei Ereignisse in den Blick. Die CME Group startet am 27. Juli — vorbehaltlich der Zulassung — Single-Stock-Futures auf mehr als 50 US-Aktien, darunter neben SpaceX auch Tesla, Nvidia, Apple, Amazon, Alphabet und Meta. Die neuen Kontrakte sollen institutionellen Investoren eine kapitaleffiziente Möglichkeit geben, einzelne Positionen abzusichern oder gezielt zu spekulieren.

Marktbeobachter bringen den Start der Futures direkt mit einer Häufung von Ereignissen rund um die Aktie in Verbindung: die frische Aufnahme in den Nasdaq-100, die anstehenden Quartalszahlen und eine Kaskade auslaufender Lock-up-Fristen für Insider.

Der zweite wichtige Termin: SpaceX veröffentlicht laut Daten von Investing.com am 6. August 2026 seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen. Dieses Datum fällt mit der ersten Phase der Insider-Lockup-Freigaben zusammen — ein Zeitpunkt, an dem theoretisch erstmals größere Aktienpakete von Mitarbeitern und Frühinvestoren auf den Markt kommen könnten.

Starlink trägt, KI kostet

Der Bewertungsstreit dreht sich vor allem um zwei Geschäftsfelder: Starlink und die KI-Ambitionen. Starlink zählt inzwischen rund 12 Millionen Abonnenten und steuerte im ersten Quartal fast 69 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer ist allerdings auf 66 Dollar gesunken, weil das Management verstärkt in margenschwächere globale Märkte expandiert.

Parallel dazu belastet der KI-Ausbau die Profitabilität deutlich. Die hohen Ausgaben für KI-Infrastruktur und das Starship-Programm führten im ersten Quartal zu einem Nettoverlust von 4,3 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 4,7 Milliarden Dollar.

Optimisten verweisen auf die Größe der Chance: SpaceX kontrolliert derzeit weniger als 1 Prozent des globalen Telekommarktes. Das lässt viel Raum für Wachstum, sofern sich die Margen stabilisieren und die Konkurrenz im Bereich erdnaher Satelliten in Schach gehalten wird. Skeptiker halten dagegen, dass die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 2,07 Billionen Dollar das Unternehmen mit dem 111-Fachen des Vorjahresumsatzes bewertet — ein Multiplikator, der kaum Raum für Enttäuschungen lässt.

Mit dem Start der Futures am 27. Juli und den ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen Anfang August verdichten sich gleich mehrere Prüfsteine in kurzer Zeit. Bis dahin bleibt offen, ob sich die hohen Kursziele der Bullen oder die jüngste Annäherung an den Ausgabepreis als der bessere Wegweiser erweisen.

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